Das ist nur auf den ersten Blick unspektakulär

Kultur / 01.05.2015 • 22:28 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ein blinkender Stern fungiert als Eintrittskarte. Foto: VN/BR

Ein blinkender Stern fungiert als Eintrittskarte. Foto: VN/BR

New Yorker Grafikerduo Dexter Sinister blickt hörend auf fünf Jahre KUB Arena zurück.

BREGENZ. „Fünf Jahre sind eine lange Zeit, wenn sie derart ausgefüllt mit Objekten, Namen und Ideen ist.“ Dies sagt in der KUB Arena nicht deren Kuratorin Eva Birkenstock, sondern der sprechende Asterisk des New Yorker Grafikerduos Dexter Sinister, das dem Besucher einen Rückblick der besonderen Art beschert.

Eine ganze Ära

Der Auftritt ist auf den ersten Blick unspektakulär, im wörtlichen Sinn aber zumindest ungewohnt weich, denn für ihre Präsentation „At 1:1 Scale.*“ haben Dexter Sinister auf dem KUB-Boden grauen Teppich ausgelegt. Ihre „Ausstellung“ besteht aus einer einzigen Animation, einem Audio-Video-Loop, betitelt mit „an erA“. Rückwärts gelesen ergibt der Titel nicht nur „Arena“, er macht auch den Blick zurück in die Vergangenheit und auf eine ganze Ära Arena-Projekte. So wurde die KUB-Eingangshalle in den letzten fünf Jahren immer wieder mit Projekten bespielt, die an den Rändern der Kunst angesiedelt waren. An eben diesen Schnittstellen von Design, Redaktion, Verlagswesen und Distribution agieren auch Stuart Bailey (UK) und David Reinfurt (USA), die seit 2006 als kollaboratives Projekt unter dem Namen Dexter Sinister auftreten. Aus deren Arbeitszusammenhang sind neben einem Verlag, einem Workshop und Buchladen in der New Yorker Lower East Side zuletzt auch immer wieder ortsbezogene Produktionen und Arbeiten für Kunstinstitutionen hervorgegangen.

Raumbehälter

Mit dem Asterisk, dem „Sternchen“, als Leerzeichen, das erst durch Bezüge mit Inhalt gefüllt wird, haben Dexter Sinister bereits des Öfteren gearbeitet. In der KUB Arena wird das typografische Zeichen, das das Duo 2011 entworfen hat, das aus einer gestaltwandlerischen Schriftart stammt und mit einer digitalisierten Stimme ausgestattet wurde, zur Analogie für den leeren Raum als Behälter – als Möglichkeitsraum und als räumliches Archiv. Den Titel „At 1:1 Scale.*“ haben sich Dexter Sinister bei Lewis Carroll geborgt, in dessen Roman „Sylvie and Bruno Concluded“ von 1893 die wunderliche Geschichte der Entstehung einer Landkarte erzählt wird, die immer größer und größer wird und schlussendlich das ganze Land überdeckt. Übertragen auf die Kunst hat jüngst der kanadische Autor und Theoretiker Stephen Wright über dieses Phänomen der Auflösung der Unterscheidung zwischen Repräsentation und Repräsentiertem geschrieben.

Diesen Gedanken greifen Dexter Sinister auf und schaffen in der KUB Arena eine Art Gedächtnis-Landkarte des Ausstellungsraumes im Maßstab 1:1, indem sie am Ort gezeigte Projekte auf ihre eigenständige Art, die ebenso klug durchdacht wie durchgestylt ist, archivieren und erzählen. Die Zeitreise führt zurück zum vorläufig letzten Eingriff, in dem das Schweizer Architekten- und Designerpaar Trix und Robert Haussmann mit Spiegeln die Illusion eines unendlichen Raumes evozierten, bis hin zum Stapellauf der Arena und zur ersten Installation der Gruppe raumlaborberlin und ihrer Installation „Bye Bye Utopia“.

„Gedächtnispalast“

Was dazwischen alles stattgefunden hat, bringt die Software hinter dem Sternchen korrekt auf die Reihe. Für die Besucher überlagern sich dagegen Namen, Titel und Ereignisse und schreiben sich als ganz persönliche Landkarten in den Köpfen fest. Als Aufzeichnungen dessen, was war, wird „At 1:1Scale.*“ zum mentalen Modell, zum „Gedächtnispalast“, für den der blinkende, sprechende Stern als leuchtende Eintrittskarte fungiert.

Die Ausstellung ist in der KUB Arena, Kunsthaus Bregenz, Karl-Tizian-Platz, in Bregenz, bis 5.Juli geöffnet, Di bis So, 10 bis 18 Uhr, Do, 10 bis 21 Uhr.