Österreich setzt aufs Format

Kultur / 07.05.2015 • 19:58 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Im Österreich-Pavillon der Biennale Venedig hat Heimo Zobernig die Dimensionen zurechtgerückt.  Fotos: APA, VN/Dietrich
Im Österreich-Pavillon der Biennale Venedig hat Heimo Zobernig die Dimensionen zurechtgerückt. Fotos: APA, VN/Dietrich

Heimo Zobernig und Yilmaz Dziewior rücken auf der Biennale die Dimensionen zurecht.

Christa Dietrich

Venedig. „Es ist alles so geworden, wie ich es mir vorgestellt habe“, erklärt Heimo Zobernig (57). Und so wie der Österreicher das im Gespräch mit den VN betont, hegt wohl niemand Zweifel daran. Schon gar nicht, wenn einem der Künstler an jenem Ort gegenübersteht, an dem sich „sein“ Pavillon in einen Innenhof öffnet, in dem verschiedene Bäume in vollem Wuchs stehen. „Dass sich hier auch noch dieser Cinemascope-Effekt einstellt, ist ein Zusatz, den ich nicht intendiert haben konnte, der das gesamte Konzept nun aber bestens ergänzt und abschließt.“

Was hat Zobernig also gemacht? Den vielen Besuchern, die am gestrigen Donnerstag, zwei Tage vor der offiziellen Eröffnung der bedeutenden Kunstschau, dieses Halbdunkel abschritten, wurde mittels ausgehändigter Unterlagen erklärt, dass es eine reduzierte Intervention sei, die den Österreich-Pavillon im großen Auftritt der Länder auszeichnet.

Stimmt nicht ganz, denn im Grunde lässt der Künstler die ursprüngliche Architektur verschwinden. Dem Größenwahn der 1930er-Jahre, jenem Baustil, der die Menschen klein machte, wollte er (in seiner klar erkennbaren Handschrift) entgegenwirken. Eingriffe in das Gebäude, das 1934 nach Plänen von Josef Hoffmann und Robert Kramreiter errichtet wurde, hat es in den letzten Jahren öfter gegeben. Hans Schabus ließ das ganze Haus unter einem Berg verschwinden, Markus Schinwald errichtete im Inneren ein Labyrinth, Zobernig lässt einen schwarzen Monolith so von der Decke schweben, dass noch genügend Licht durch den Fensterfries kommt, das Innere aber angenehm schattig wirkt. Schwarzer Boden, weiße Wände, eine Raumgröße, die ein Wohlfühlambiente schafft, ein paar nicht mehr wuchtige Säulen, ein paar Bänke zum Verweilen und dazu die Öffnung in den erwähnten Innenhof. Mehr hat er nicht gebraucht, alles bestens, eine ursprünglich vorgesehene Skulptur wurde eliminiert.

Rasch getroffene Wahl

Vor rund einem Jahr wurde Yilmaz Dziewior, damals noch Direktor am Kunsthaus Bregenz, von Kulturminister Josef Ostermayer zum Kommissär für den Österreich-Pavillon bestellt. Dziewior, der zwischenzeitlich die Leitung des Museums Ludwig in Köln angetreten hat, hatte sich, wie er nun erzählt, umgehend für Heimo Zobernig entschieden. In der Euphorie gestoppt wurde er nur kurzzeitig von der Annahme, dass diese renommierte Persönlichkeit Österreich sicher schon einmal auf der Biennale vertreten habe. 400.000 Euro stellte ihm die öffentliche Hand für den Auftritt zur Verfügung, in etwa dieselbe Summe hat er über private Sponsoren, darunter sind auch Mäzene aus Vorarlberg, aufgetrieben.

Im Herbst im KUB

Zobernig wird im Herbst im Kunsthaus Bregenz ausstellen. Es wird eine Fortsetzung bisheriger Arbeiten sein, und mit großem Interesse habe er sich auf ein weiteres spannendes Bregenzer Projekt eingelassen. Im neuen Opern­atelier von Festspiel-Intendantin Elisabeth Sobotka agiert er als Bühnenbildner.

Es ist mir auch wichtig, dem Größenwahn der Architektur der 1930er-Jahre entgegenzutreten.

Heimo Zobernig
Kurator Yilmaz Dziewior mit Künstler Heimo Zobernig.
Kurator Yilmaz Dziewior mit Künstler Heimo Zobernig.
Zobernig im Gespräch:
Zobernig im Gespräch: „Alles und mehr konnte verwirklicht werden.“  

Die Biennale Venedig ist bis 22. November geöffnet. Die Zobernig-Ausstellung im Kunsthaus Bregenz beginnt am 7. November.