Wenn die Feen tanzen

Kultur / 08.05.2015 • 19:55 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
„Riot Dancer“ ist das letzte Stück der Aktionstheater-Ensemble-Tetralogie. Foto: VN/Paulitsch
„Riot Dancer“ ist das letzte Stück der Aktionstheater-Ensemble-Tetralogie. Foto: VN/Paulitsch

„Riot Dancer“ vom Aktionstheater Ensemble feierte Premiere beim Bregenzer Frühling.

Bregenz. Es ist alles gesagt, gesehen, getan und erlebt worden. Das Leben und der Mensch sind entschleiert und werden mit dieser Bürde orientierungslos alleine gelassen. Mit „Riot Dancer“ bringen Martin Gruber und das Aktionstheater Ensemble die gleichnamige Tetralogie zu einem apokalypse-nahen Finale, das den Blick auf eine entzauberte Welt fokussiert. Gruber, Autor und Regisseur des Stücks, gelingt es gemeinsam mit Schauspielern und Musikern, diesen tragikomischen Zustand der Verzweiflung der westlichen Gesellschaft in seiner Komplexität zu erfassen und konzentriert auf die Bühne zu bringen.

Die Bühne ist leer gefegt, keine ablenkenden Versatzstücke versperren den Raum. Eine schwarz-weiße Ödnis, ein Sinnbild unserer substanzlosen Zeit, bietet dem grandiosen Schauspielerensemble Platz, um die Bühne mit übermäßigem Inhalt zu befüllen.

Orientierungslosigkeit

Christian (Christian Rajchl) hat die ganze Apokalypse auswendig gelernt, Isabella (Isabella Jeschke) glaubt an Feen, die trotz allem tanzen, Kirstin (Kirstin Schwab) wohnt in einer Selbstmördergegend, Alexander (Alexander Meile) muss zur Therapie, Andreas (Andreas Jähnert) glaubt an den Geist, Michaela (Michaela Bilgeri) will in den Swinger-Club, Susanne (Susanne Brandt) geht mit Christian immer aufs Klo, Hubert(Hubert Wild) philosophiert über gestopfte Gänseleber.

Voll gestopft wird auch der Zuschauer, voll gestopft wie wir es tagtäglich werden mit Eindrücken, Brutalem, Absurdem, Trivialem, aber vor allem immer mehr, mehr, mehr. Das Mehr wird zum Überfluss, kann in der Gänze nicht mehr wahrgenommen beziehungsweise eingeordnet werden. Orientierungslosigkeit ist das Ergebnis.

Clowns oder Schläger

Uniformiert in weißen Jumpsuits tritt das Aktionstheater Ensemble auf. Ein Hinweis auf Zusammengehörigkeit und auf die Gleichschaltung der Existenzen. Die nicht vorhandenen Perspektiven der Figuren werden durch den Gesang von Hubert Wild und die musikalische Darstellung von KMET schonungslos betont.

Von weißen „Unschuldsengeln“ verwandeln sich die Figuren im Laufe des Stückes mittels Clownsperücken und Baseballschlägern in Drohbilder. Bleiben sie tragische Witzfiguren oder werden sie zu gefährlichen Schlägern – solange sie die immergleiche Choreographie tanzen, können sie noch nicht zuschlagen. Was aber, wenn der Tanz vorbei ist? So rufen alle am Ende dem Spastiker Christian zu „Tanz weiter Christian, tanz!“. Die Apokalypse beginnt, wenn niemand mehr tanzt.

Einmal reicht nicht

Am Ende sind die Darsteller, wie das Publikum gleichermaßen erschöpft. „Riot Dancer“ ist ein dramatisches Work-out für Schauspieler wie Zuschauer. Ein theatrales Fitnessprogramm, das süchtig macht, immer wieder will es gesehen werden, bis es in allen Tiefen begriffen ist.

Das begeisterte Premierenpublikum dankt dies dem Regisseur und dem ausgezeichneten Ensemble mit anhaltendem Applaus und nützt hoffentlich die Chance, heute Abend das Stück „Riot Dancer“ noch einmal zu bestaunen.

,,Riot Dancer“

» Weitere Vorstellungen: Heute, 9.5.2015, 20 Uhr, Festspielhaus Bregenz

» Regie: Martin Gruber, Aktionstheater Ensemble: Christian Rajchl, Isabella Jeschke, Andreas Jähnert, Michaela Bilgeri, Susanne Brandt, Kirstin Schwab, Hubert Wild, Alexander Meile

» Musik: KMET; Live-Musik: Florian Kmet, Bernhard Breuer, Jakob Schneidewind