Bewegter Sartre

Kultur / 15.05.2015 • 18:59 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Szene aus „Die schmutzigen Hände“ von Sartre.  Foto: Dorendorf
Szene aus „Die schmutzigen Hände“ von Sartre. Foto: Dorendorf

Die Figuren im Theater des Jean-Paul Sartre sind gesprächig. Sie reden, also sind sie.

Zürich. (tb) Regisseur Stefan Pucher macht aus dem Stück „Die schmutzigen Hände“ am Zürcher Schauspielhaus – am selben Ort fand 1948 die deutschsprachige Erstaufführung statt – multimediales Theater. Auch Filmsequenzen oder Videoschnipsel und Musik prägen den zweistündigen Abend. Und plötzlich lässt Pucher das Ganze in eine psychedelische Szene auskeilen, das Geschehen in einen anderen Aggregatzustand kippen. Es ist der Moment, als die stramme kommunistische Funktionärin Olga (Isabelle Menke) im Dienste der weltkommunistischen Sache eine Bombe wirft, um den fehlbar gewordenen Parteisekretär Hoederer zu liquidieren. Robert Hunger-Bühler, der den Mann, der taktierend mit Leuten aus dem anderen Parteienspektrum paktiert, als einen von Rätseln umwitterten Machtmenschen mit mitmenschlichem Kern gibt, verbiegt jetzt, am Boden liegend, Körper und Mimik zu den abenteuerlichsten Gestalten.

Zum „richtigen“ Mord

Wirkungsvoller sind denn doch etliche filmische Teile. Hugo will sich als kommunistischer Tatmensch behaupten und zaudert dann trotzdem, den innerparteilichen Feind Hoederer zu ermorden. Jirka Zett in der Hauptrolle des jungen Intellektuellen bürgerlicher Herkunft erscheint bald an der Rampe oder auf dem vielfältig gestuften Bühnenbild dahinter, bald in Filmen auf dem phasenweise zur Großleinwand mutierten „Vorhang“. Dazu kommen weitere filmische Einlassungen einschließlich Kommentaren des Schweizer Hardliner-Linksintellektuellen Jean Ziegler. Zett vermag Sympathien bei Hugo für Hoederer durchschimmern zu lassen. Der Mord ist „zuerst“ auch noch kein eigentlicher, denn der Pistolenschuss fällt „bloß“ aus dem Eifersuchtsimpuls heraus.

Dass bei Sartre am Ende doch noch ein politischer Mord daraus werden kann, ist eine Wendung, die wir heute nicht mehr goutieren können. Dass Pucher die zeitlosen Anteile all dieser Planspielfragen um „schmutzige Hände“ lebendig herausgearbeitet hat, bleibt freilich die Stärke des Abends.

Nächste Vorstellungen: 19 bis Mai. Aufführungsdauer: 2 Stunden:
www.schauspielhaus.ch