Die Reihe großer Namen ist noch nicht zu Ende

Kultur / 21.05.2015 • 20:15 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Max Beckmanns „Selbstbildnis mit Glaskugel“ und seine Bronze „Mann im Dunkeln“. Fotos: VN/Paulitsch
Max Beckmanns „Selbstbildnis mit Glaskugel“ und seine Bronze „Mann im Dunkeln“. Fotos: VN/Paulitsch

Die Hilti Art Foundation bringt ihre Sammlung in einem weißen Kubus zum Leuchten.

Christa Dietrich

Vaduz. Max Beckmanns „Selbstbildnis mit Glaskugel“ aus dem Jahr 1936 zählt zu den jüngsten Erwerbungen. Sie ziert die Plakate und weist somit den Weg zu einer neuen Adresse für Kunst im Zentrum von Vaduz. Denn obwohl man nur über das seit 15 Jahren bestehende Kunstmuseum, einen schwarzen Kubus, hineinkommt, entspricht der weiße Würfel, wie das Gebäude bereits genannt wird, einem Solitär, mit dem die Basler Architekten Morger und Dettli den ersten Bau ergänzen und gleichzeitig kontrastieren.

Die Anliegen der Hilti Foundation und des dort ebenfalls residierenden Uhren- und Schmuckunternehmens Huber zu berücksichtigen, zugleich städtebaulichen Auflagen zu entsprechen und die Hauptstadt des Fürstentums mit qualitätsvoller Architektur zu bereichern, war eine Aufgabe, die den Passanten gelungen erscheint. Dass die vertikale Anordnung der Schauräume im Inneren zu stelenartig hoch hinaufragenden Treppenlinien führen musste, mag man dabei hinnehmen. Abgesehen davon, dass dem Publikum ein großzügig gestalteter Lift zur Verfügung steht, belohnt die Hängung der optisch umgehend erfassbaren Räume für jegliche sportliche Anstrengung. 

Fordernde Auswahl

Dass die Sammlerfamilie auf Harmonie bedacht war und es, wie der Unternehmer Michael Hilti eigens betont, auch immer noch ist, heißt nicht, dass die Auswahl spannungsarm wäre. Ganz im Gegenteil. Der Rundgang, beginnend mit den Jahren 1909 und 1910 mit einem Frauenbildnis von Ferdinand Hodler und einem weiblichen Torso von Wilhelm Lehmbruck, ist durchaus fordernd. Der Beginn der Moderne ist ebenso eindrücklich nachgezeichnet wie die Zäsur, die die Kunst nach dem Zweiten Weltkrieg oder später durch die gerade wieder in internationalen Ausstellungen thematisierte Bewegung ZERO oder durch die Arte Povera erfuhr. 

Erweiterung geplant

Egal, wo man beginnt, was Hilti gesammelt hat, entspricht einer Aneinanderreihung der großen Namen. 50 der rund 200 Werke werden gezeigt; die Auswahl repräsentiert, wie Kurator Uwe Wieczorek bestätigt, durchaus die Ausrichtung der gesamten Sammlung. Die erste Schau, die in dieser Zusammenstellung über ein Jahr zu sehen sein wird, einem nachvollziehbaren Thema, nämlich dem von einem Beckmann-Ausspruch abgeleiteten „Mysterium Mensch“, unterzuordnen, war möglich. Während Michael Hilti anführt, dass man bei den weiteren Erwerbungen auch die Entwicklungen des Marktes beobachtet, spricht Wieczorek von Vertiefung in die Thematik. Man bekundet aber Einigkeit. Wer etwas über die Höhe des Ankaufsbudgets wissen möchte, erfährt lediglich, dass es auch weiterhin eines gibt. Es sei selbstverständlich höher als das des Kunstmuseums, das Direktor Friedemann Malsch mit 200.000 Schweizer Franken angibt. Hiltis Bemerkung, dass man damit wohl nicht weit komme, lässt eventuell Rückschlüsse auf die zukünftigen Sammlungsaktivitäten zu. Dass er die Kunst nicht zu Spekulationszwecken, sondern aus Leidenschaft kauft, sie behält bzw. dem Publikum zeigt, begünstige, so Hilti, mitunter den Preis.

Zu den jüngsten Arbeiten in der Ausstellung zählen die zweifarbig-geometrischen Bilder der Schweizer Malerin Verena Loewensberg. Im Verbund mit Ikonen des späten 20. Jahrhunderts von Gottfried Honegger, Imi Knoebel, Piero Manzoni, Lucio Fontano, Günther Uecker bis Yves Klein (selbstverständlich im typischen Blau) ergibt sich ein Raum, in dem längeres Verweilen nur empfohlen werden kann.

Max Beckmanns „Traum des Soldaten“ (1942/43) in die Nähe von Jean Dubuffet und Wols zu hängen und damit auf die kommende Abstraktion zu verweisen, ist ebenso sinnfällig wie die Kombination von Max Ernsts „Le paradis“ (1927) mit einer die amorphe Form aufnehmenden Skulptur von Hans Arp. Ein Magritte taucht ebenso auf wie ein Clown von Paul Klee. Arbeiten von Franz Marc (hier sind es nicht Pferde oder Hunde, sondern weiße Schweine) und August Macke, von dem die „Badenden Mädchen“ aus dem Jahr 1913 erworben wurden, verweisen auf eine große Künstlerfreundschaft, die der Erste Weltkrieg beendete. Ernst Ludwig Kirchner, der vor dem Zweiten Weltkrieg vor den Nazis flüchtete, ist mit frühen Arbeiten vertreten. Seurat, Gauguin, Picasso und Giacometti bilden die Basis eines Angebots, das unter dem Motto „Hinführen zur Kunst“ sein Publikum finden soll und finden wird.

Es ist beabsichtigt, die Sammlung ständig zu erweitern.

Michael Hilti
Arbeiten von Max Ernst und Hans Arp. Die nun zu sehende Auswahl mit 50 Arbeiten repräsentiert die Sammlung.
Arbeiten von Max Ernst und Hans Arp. Die nun zu sehende Auswahl mit 50 Arbeiten repräsentiert die Sammlung.

Tage der offenen Tür zur Eröffnung der Hilti Art Foundation in Vaduz (Städtle 32) am 23. Mai, 10 bis 20 Uhr, am 24. Mai, 10 bis 18 Uhr.