Mit unglaublich sensitiver Malerei

Kultur / 21.05.2015 • 20:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Künstlerduo Rossmann und Kravagna. Fotos: AG
Künstlerduo Rossmann und Kravagna. Fotos: AG

Rudolfine P. Rossmann und Michael Kravagna beweisen bei „allerArt“ malerisches Gespür.

BLUDENZ. Nach dem gemeinsamen Studium an der Hochschule für angewandte Kunst haben sich Rudolfine P. Rossmann und Michael Kravagna aus den Augen verloren. Viele Jahre später haben sie sich in Belgien bei einer Ausstellung wieder getroffen und konnten feststellen, dass ihre Malerei unabhängig voneinander ähnliche Entwicklungen genommen hat.

Rinnspuren

Unter diesen Voraussetzungen und mit unglaublich sensitiver Malerei, die durch Zurückhaltung und opulent gestaltete Oberflächen zugleich besticht, passen die beiden aus Kärnten stammenden Maler perfekt in die „allerArt“-Reihe der Künstlerpaare und -duos. „Die Arbeit weist den Weg“, beschreibt Rudolfine Rossmann (geboren 1958), die Gemälde aus dem Werkblock „monsoon“ zeigt, ihren Bildfindungsprozess. Am Anfang steht dabei häufig eine Reise, immer aber ein sinnliches Erlebnis.

Eine Wahrnehmung in der Natur, in der Landschaft, der Blick aus dem Fenster auf eine städtische Struktur, ein Farbton, eine Bewegung auf der Wasseroberfläche, flirrendes Licht, kleine Dinge, die sich zu großen Strukturen auswachsen: Abgekoppelt davon entstehen im Atelier in einem ebenso kontrollierten wie zufälligen Prozess des vorsichtigen Schüttens und Rinnens Bilder, die mit ihren netzartigen Geflechten zwischen Abstraktion und Assoziation angesiedelt sind. Die Rinnspuren der aus Bechern geschütteten Eitempera und Überlagerungen von Schichten erzeugen räumliche Tiefe und oszillieren zwischen Ruhe und Bewegung.

Quadrate bevorzugt

Während die Natur als unmittelbarer Auslöser, aber nie abbildend, in den Arbeiten von Rudolfine Rossmann stets nachvollziehbar und spürbar mitschwingt, scheint sie aus den Gemälden des in Belgien lebenden Michael Kravagna (geboren 1962) weitgehend getilgt. Ebenfalls ist ihnen die malerische Sensibilität und das Anliegen Malerei per se eigen, als Prozess und Mittel, wenn auch in gänzlich anderer Form. Die Bilder des seit über 30 Jahren als Maler tätigen Kravagna sollen Bestand haben, die Zeit überdauern und doch auch die Dimension der Vergänglichkeit einbringen. Selbst gemischte Farben, mit dem Lineal und der Radiernadel gezogene Striche, die die Farbfelder quer durch alle Schichten wie ein Pflug aufreißen, und in der Mischung neue Farbtöne und eine plötzliche Körperhaftigkeit entstehen lassen, machen die Bedeutung von Farbe als Material für das Werk Kravagnas deutlich. Aber: „Alles kann auch immer anders sein“, sagt der Künstler, der ausschließlich im quadratischen Format malt.

Der Einfachheit halber, wie er meint, denn wo alles gleich lang und hoch und die Form zurückgedrängt ist, lenkt nichts von der Erscheinung der Farbe ab. In dieses stoffliche Manifest der Farbe passt die Dimension des Vergänglichen sehr gut, die in abgewetzten und beinahe ornamentalen Strukturen zuweilen an marode Textilien erinnert.

   
   
Ausschließlich quadratisch sind die Arbeiten von Kravagna.  
Ausschließlich quadratisch sind die Arbeiten von Kravagna.  

Geöffnet in der Galerie „allerArt“, Remise, Raiffeisenplatz Bludenz, bis 28. Juni, Mi bis So, 15 bis 18 Uhr.