Auch in New York ist das Heu schon trocken

Kultur / 22.05.2015 • 22:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Ein tolles Bild: Arbeiten der österreichischen Künstlerin ONA B. in New York.  Fotos: ONA B./Kulturverein
Ein tolles Bild: Arbeiten der österreichischen Künstlerin ONA B. in New York. Fotos: ONA B./Kulturverein

Die „Heumännle“ der österreichischen Künstlerin ONA B. sind im Wald gelandet.

ANDELSBUCH. Sie gab sich die Ehre, die allererste Ausstellung des Kulturvereins Bahnhof Andelsbuch zu bespielen. Pünktlich zum 15-jährigen Bahnhofsjubiläum ist ONA B. zurück. Ganz in Rot, wie könnte es anders sein, und mit einer Fotodokumentation und ihren Hoanzn.

Eingeschneit und ausgeapert

400 „Heumännle“, rot gestrichen, verteilt über die Kuppen und Hänge der Landschaft – das war das im Herbst 2014 realisierte Land-Art-Projekt „Das Heu ist schon trocken in den Bergen“ von ONA B. im Rahmen der von Gregor Koller kuratierten Reihe „Eis und Gold“ in Oberlech. Er habe eine Installation, die den Lecher Winter überdauert und das Einschneien als Versinken „des Rot im Weiß des Schnees“ sehen wollen, so Koller. Seit Kurzem sind die Hoanzn wieder ausgeapert und haben nicht nur den Weg ins Tal gefunden, sondern zwischenzeitlich auch den Sprung über den großen Teich nach New York gemacht.

Dort ist ONA B. zusammen mit 17 anderen österreichischen Künstlern (u. a. Heimo Zobernig und Gerold Tagwerker) in einer Ausstellung im Austrian Cultural Forum vertreten und hat es sich bei der Gelegenheit nicht nehmen lassen, ihre signalroten Heutrockenvorrichtungen auch im winterlich-kahlen Central Park vor der monumentalen Kulisse der Wolkenkratzer zu platzieren.

Die Fotos dieser Aktion, die eigentlich Stills aus einem Video sind und mit leichten Unschärfen und großartigen Motiven aufwarten, sind ebenso Teil der aktuellen Ausstellung in den Räumlichkeiten des Andelsbucher Bahnhofs, wie die Dokumentation des Projekts für Lech. Unterstützt von ihren Freunden der „Andelsbuch Gang“, auf deren Tatkraft, Energie und Ideen ONA B. seit ihrem ersten Auftritt im Bregenzerwald zählen kann, werden die Heumännle nicht nur als Skulptur im Raum gezeigt.

Im roten Kunstuniversum

Als Verweis auf ihre handwerkliche Herstellung, denn jedes Teil ist ein Unikat, mit Monogramm versehen, bevölkern sie auch den nebenan gelegenen Werkraum und werden in der Wiese hinter dem Bahnhof sogar wieder in ihrer ursprünglichen Nutzung gezeigt. Denn genau darum geht es der Künstlerin: um das Aufzeigen des Wandels in der Landwirtschaft durch den Einsatz von Maschinen. Auch wenn sie den Geruch von Heu wunderbar sinnlich findet und damit Kindheitserinnerungen verknüpft, ist ONA B.s Intervention kein sentimentales „früher war alles besser“.

Die Hoanzn als traditionelles Kulturgut im ländlichen Raum, die Jahrhunderte das Bild der Landschaft prägten, werden zum Kunstgriff in Rot. Diese Farbe, die in den verschiedenen Kulturräumen so unterschiedlich besetzt ist, ist für das vielschichtige und sich permanent in alle Richtungen ausdehnende Kunstuniversum von ONA B. nicht nur ein Anstrich, sondern vielmehr Klammer, Essenz, Lebenssaft und ein Markenzeichen. Rot verbindet Person und Werk untrennbar miteinander. Von ihrer Kleidung über die Malerei und bis hin zum Baumhaus in Kugelform, das wie ein praller, roter Apfel in einem Baum hängt, deckt Rot, anregend und positiv, alle Facetten ab. Fehlt eigentlich nur noch das rote Heu auf den Hoanzn.

   
   

Zur Person

ONA B.

Geboren: 1957 in Wien

Ausbildung: Universität für angewandte Kunst in Wien (Meisterklasse Adolf Frohner)

Laufbahn: zahlreiche internationale Ausstellungen, Installationen und Land-Art-Projekte, Gründerin der Künstlergruppe phoenix production, Mitglied der Künstlergruppe DIE DAMEN

Auszeichnungen: u. a. Staatsstipendium für bildende Kunst, Preis für bildende Kunst der Stadt Wien sowie des Landes Niederösterreich

Wohnort: Wien, Bisamberg, Strasshof

Die Ausstellung ist im Bahnhof Andelsbuch bis 14. Juni geöffnet, Do und Sa, 19 bis 20 Uhr, So, 10.30 bis 11.30 und 19 bis 20 Uhr. Am Mi, 10. Juni, findet um 20 Uhr ein KünstlerInnengespräch, moderiert von George Nussbaumer, statt.