Die Risikofreude stößt auf Neugier

Kultur / 22.05.2015 • 22:15 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
„Ich Zarah“, ein neues Stück des österreichischen Autors Franzobel, erreichte eine Auslastung von 90 Prozent.  Foto: LT/Köhler
„Ich Zarah“, ein neues Stück des österreichischen Autors Franzobel, erreichte eine Auslastung von 90 Prozent. Foto: LT/Köhler

Erhöhung der Besucherzahlen um zehn Prozent sieht der Theaterchef als Aufforderung zu mehr Mut.

Bregenz. (VN-cd) Mehrere Ur- und Erstaufführungen, zwei Auftragsarbeiten, zwei Produktionen, die außerhalb des Hauses stattfinden, vier Frauen im Team von acht neuen Regisseuren – das sind die Zahlen, die Alexander Kubelka, Intendant des Vorarlberger Landestheaters, am gestrigen Freitag präsentieren konnte. Die freudige Stimmung ließ sich im anschließenden Gespräch noch erhöhen. Im Vergleich zum Jahr 2013 sind die Besucherzahlen im Jahr 2014 um zehn Prozent gestiegen, rund 56.000 Theaterinteressierte wurden im Haus am Bregenzer Kornmarkt und an weiteren Spielstätten begrüßt. Den Auslastungsrekord hält dabei ausgerechnet eine Uraufführung. Das vom bekannten österreichischen Autor Franzobel geschriebene Stück „Ich Zarah oder Das wilde Fleisch der letzten Diva“ mit Tamara Stern in der Titelrolle, die Zarah Leander Stimme und Gestalt verlieh, wurde zum
Renner. Das hat Kubelka in der Absicht, weitere Auftragsarbeiten zu vergeben, bestärkt.

In der Saison 2014/2015 wird man mit den österreichischen Autoren Petra Maria Kraxner und David Frühauf zusammenarbeiten. Maja Haderlap schreibt an einem Text, der im nächsten Herbst zur Uraufführung gelangt. Die Themen sind brisant, Kraxner behandelt in „Medusas Kind“ beispielsweise Fragen zu den Motiven für den Ausbruch ins Ungewisse. Die Basis bildet das traurige Schicksal eines Jungen, der in der Radkammer eines Flugzeuges nach Europa flüchtete. Frühauf hält dem Dramenfragment „Demetrius oder Die Bluthochzeit zu Moskau“ ein eigenes Stück entgegen. Schiller beschreibt einen tödlich endenden Aufstieg auf den Zarenthron.

Inhaltsreich und intensiv

Sein Jahresmotto hat das Theater vom Triptychon „Garten der Lüste“ von Hie­ronymus Bosch abgeleitet. Die detailreichen Szenen von Freud und Leid versprechen eine inhaltsreiche Saison, für die unter anderem Nele Weber oder Nina Stix als neue Regisseurinnen engagiert werden.  Sigrid Herzog wird die Oper „Die Entführung aus dem Serail“ inszenieren.

Im Kornmarkttheater Hauptmieter zu sein, hat sich, so Kubelka, mehr als nur bewährt. Man könne das Haus intensiver nutzen.

Die neue Bewegungsfreiheit im Haus konnten wir nutzen.

Alexander Kubelka
Detail aus dem „Garten der Lüste“ von Hieronymus Bosch. Foto: AP
Detail aus dem „Garten der Lüste“ von Hieronymus Bosch. Foto: AP

Premieren im Großen Haus

» Penthesilea Heinrich von Kleist

» In aller Ruhe Owen McCafferty

» Die Kahle Sängerin Eugène Ionesco

» An der Arche um Acht Ulrich Hub

» Medusas Kind Petra Maria Kraxner, UA

» Die Entführung aus dem Serail Wolfgang Amadeus Mozart

» Dekalog – Die zehn Gebote Krzysztof Kieslowski, Krzysztof Piesiewicz

» Rosenkranz und Güldenstern sind tot Tom Stoppard

» Demetrius oder Die Bluthochzeit zu Moskau Friedrich von Schiller

» Zeit der Wirren David Frühauf, UA

» Imaginäres Paradies, UA