Eine Armee von Besuchern erwartet

Kultur / 22.05.2015 • 22:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Das zentrale Ausstellungsraum mit Terrakotta-Kriegern besteht aus Original-Replikationen, die in China hergestellt wurden.  Foto: VN/Hartinger
Das zentrale Ausstellungsraum mit Terrakotta-Kriegern besteht aus Original-Replikationen, die in China hergestellt wurden. Foto: VN/Hartinger

Terrakotta-Krieger aus dem Grab des ersten China-Kaisers erzählen große Geschichte.

Christa Dietrich

Dornbirn. Mit Superlativen geizt hier niemand. Gut 8000 Figuren aus gebrannter Erde, dazu Hunderte von Wagen, Pferde, eine unterirdische Grab- und Palastanlage auf einer Fläche von nahezu 60 Quadratkilometern. Der zentrale Punkt, das eigentliche Mausoleum des Kaisers Qin Shi Huang Di, ist noch nicht einmal geöffnet. Archäologen erwarten damit weitere Sensationen. Genau genommen steht man erst am Anfang, auf der UNESCO-Weltkulturerbeliste gelangte die letzte Ruhestätte des Herrschers, der von 259 bis 210 v. Chr. lebte, dennoch.

Einblick in die Zeit

Da das inzwischen an der Grabungsstätte errichtete Museum nicht einmal für Reisende aus Europa, die bis nach Xi’an in Zentralchina vordringen, leicht zugänglich ist, befindet sich die Terrakotta-Armee bereits seit einiger Zeit sozusagen auf Tournee. Original-Replikationen – selbstverständlich in China aus vergleichbarer Erde und unter dafür günstigen Luftverhältnissen hergestellt – sollen nicht nur einen Eindruck von den Ausgrabungen vermitteln, sondern auch einen Einblick in die Zeit.

Das gelingt durchaus und dass die Ausstellung nun zwei Monate vor dem Start der Bregenzer Festspiele in den Messehallen in Dornbirn eröffnet wird, trifft sich bestens. Für die in China spielende Puccini-Oper „Turandot“, die auf dem See Premiere hat, ließ Regisseur und Bühnenbildner Marco Arturo Marelli nicht nur einen Teil der Chinesischen Mauer nachbilden, sondern auch Figuren aus dieser Terrakotta-Armee.

Megalomanie

Was in Bregenz Kunststoff und die übliche Kaschur ist, bleibt in Dornbirn selbstverständlich der Urstoff, selbst die Rezeptur für den Ton soll historischen Überlieferungen entsprechen. Hier gibt es kein Drama und keine Illusion, nur eine so weit gefällige Gestaltung, dass sie Besuchermassen anspricht, nach Möglichkeit auch Schulklassen. Man mag sich damit auseinandersetzen, dass die Arbeiter die Gesichter nach realen Vorbildern zu gestalten hatten, dass die Figuren so groß sind, dass sie die damaligen Menschen etwas überragten, um den Kaiser schützen zu können, dass die Details bis zu den Frisuren, Bärten und zum Schmuck an Mensch und Tier fein ausgearbeitet sind, man mag aber auch daran denken, dass derartige Megalomanie, die der Fund dokumentiert, Tausende Todesopfer forderte.

Die einstigen Handwerker, besser gesagt, Sklaven, mussten ohnehin nach getaner Tat sterben. Und besagter Qin Shi Huang Di, der mit 13 Jahren auf den Thron kam, ging bei der Einigung des zuvor unter Fürsten aufgeteilten Reiches ohne zu zögern über Leichen. Wenn einer in der Reihe nicht spurte, mussten alle ihr Leben lassen. Dieses System ließ sich beliebig und in vielen Bereichen des Lebens anwenden und bedeutete nichts anderes als vollkommene und alles durchdringende Tyrannei ohne jeglichen Freiraum.

Als „Ewigen Kaiser“ – so der Untertitel der Ausstellung – mag man den Kerl nicht sehen, der dann mit gut 50 Jahren dahinschied. Der heute als Namensgeber geltende Gründer Chinas konnte die eigene dynastische Nachfolge nicht sichern. Ein Sohn fiel einer Intrige zum Opfer. 1912 musste dann der letzte Kaiser von China abdanken. Die Zäsur war wiederum gründlich. Als Brunnenarbeiter in den 1970er-Jahren zufällig das erste Stück dieser gigantischen Anlage entdeckten, hielt man die Dinge geheim, die Erinnerung an die Feudalherrschaft war ein Tabu.

Reisegespanne, die aneinandergereiht angeblich einen Zug von mehreren Kilometern ergaben, sowie nach Funden reproduzierte Gewänder ergänzen die Schau. Wer von bunten Terrakotta-Kriegern irritiert ist, dem sei erklärt, dass diese Figuren allesamt bemalt waren. Die Zeit hat die nächste Schicht freigelegt und ermöglicht nun einen umso aufschlussreicheren Zugang.

Geöffnet in der Messehalle 12 in Dornbirn bis 13. September, bis
19. Juli, Mi bis So, 10 bis 18 Uhr; danach Mo bis So, 10 bis 18 Uhr.