Verhüllen, verpacken, verbergen mit und ohne Christo

Kultur / 26.05.2015 • 18:56 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Vom äußeren Schein bestimmt ist die Winterlandschaft von  Richard Hoeck und John Miller. Fotos: Künstler/AG
Vom äußeren Schein bestimmt ist die Winterlandschaft von  Richard Hoeck und John Miller. Fotos: Künstler/AG

Die Ausstellung im QuadrART Dornbirn vermittelt zwischen Innen und Außen.

DORNBIRN. (VN-ag) Zwischen innen und außen liegt – ja, was eigentlich? Und wie gestalten sich die Beziehungen zwischen Hülle und Fülle? Diesen und anderen Fragen zu Schein und Sein, Repräsentation und Inhalt geht die Ausstellung „Inside/Outside“ im QuadrART Dormbirn nach.

Der gedachte Raum

Als Kurator fungiert diesmal mit dem 1991 geborenen, aus Klaus stammenden Simeon Brugger ein junger, kunstbegeisterter Architektur- und Kunstgeschichtestudent, der in der Auseinandersetzung mit Pop Art und Verpackungsästhetik auf das Thema „Inside/Outside“ gestoßen ist. Das Werk aus der Sammlung, das Auslöser und Angelpunkt für die Schau bildet, ist in fast logischer Konsequenz und beinahe schon plakativ die Arbeit „Wrapped Woman“ von Christo.

In dieser Projektskizze eines verhüllten Frauenkörpers von 1968 wird das von Christo proklamierte Offenbaren durch Verbergen beispielhaft demonstriert. Um diese „Vorlage“ herum gruppieren sich 13 Positionen, Werke aus Vorarlberger und Tiroler Sammlungen, aber auch eigens für die Schau geschaffene Arbeiten, die dem Thema in unterschiedlichen Medien und Ansätzen verschiedenste Aspekte hinzufügen.

Biennale-Teilnehmer

Nur vorsichtige Rückschlüsse auf das Innere lassen beispielsweise die perfekt gearbeiteten, bekannten Spanplattenobjekte des renommierten Vorarlberger Bildhauers Willi Kopf zu, während Biennale-Teilnehmer Heimo Zobernig die Frage des Inhalts als gedachten Raum in einer Arbeit, die Skulptur, Sockel und Vitrine zugleich ist, völlig ad absurdum führt. Immateriell und in sinnfälliger Nachbarschaft dazu bleibt auch ein Teil von Martin Kippenbergers ironischem Objekt, das auf den ersten Blick an einen handelsüblichen Verpackungskarton erinnert.

Kunst auf dem Postweg

Mit Karin Sanders „mailed paintings“ und den „Gelben Bildern“ von Joseph Beuys lassen bzw. ließen gleich zwei Künstler die Post für sich arbeiten. Während die quasi dauerausgestellten weißen Leinwände Sanders unverpackt auf Reisen geschickt werden, thematisierten Beuys abgestempelte Packpapierhüllen den Warentransport von Ost nach West und die damals vorhandenen innerdeutschen Grenzen. Ungleich auffälliger und bunter sind die verfremdeten Frühstücksflockenschachteln von Jani Leinonen, die ebenso mit Irritationen aufwarten wie die Cocktailliste mit Gewaltpotenzial seines finnischen Landsmanns Riiko Sakkinen, der u. a. „Gun Fire“ oder „Nuclear Ice Tea“ anbietet. Konzeptuelle Strenge und die totale Kontrolle steht hinter Rainer Splitts Farbschüttungen auf gefaltetem Papier, während der Umgang mit Make-up und Hautcreme in den auf die Oberfläche fokussierten Arbeiten von Manuel Gorkiewicz sehr leicht und spielerisch wirkt.

Wo sich alles an der Fassade abspielt, gehen die Worte des visuellen Poeten Heinz Gappmayr in die Tiefe. Der Straßenkünstler EGS spielt mit seinem Schriftzug. Der äußere Schein bestimmt die Schaufensterpuppen in der Winterlandschaft von Richard Hoeck/John Miller. Jens Ole Remmers steuert Malerei zu dieser schön zusammengestellten Schau bei, die das Thema längst nicht ausreizt.

Verfremdung von Jani Leinonens.
Verfremdung von Jani Leinonens.

Die Ausstellung ist im QuadrART, Sebastianstraße 9 in Dornbirn, bis 3. August geöffnet, bis 6. Juni jeweils Do, Fr, Sa, 17 bis 19 Uhr, ab 7. Juni nach Vereinbarung: 05572 909958.