Und das soll es gewesen sein?

Kultur / 28.05.2015 • 19:18 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ein Abschied? Wolfram Öller mit der Militärmusik Vorarlberg. Foto: JU  

Ein Abschied? Wolfram Öller mit der Militärmusik Vorarlberg. Foto: JU  

Das wohl letzte Galakonzert der Militärmusik wurde zum Votum für ihren Weiterbestand.

Bregenz. War das am Mittwoch nun wirklich schon das „Valet“, der letzte Zapfenstreich für die Militärmusik Vorarlberg im fast voll besetzten Festspielhaus? Die wenigsten Besucher wollten es wahrhaben. Umso mehr, als die Kapelle in ihren eleganten weißen Galauniformen unter Wolfram Öller mit einem wohlüberlegten Programm und tollen musikalischen Leistungen ihren Freunden den Abschied, wenn es denn ein endgültiger sein sollte, ganz schön schwer gemacht hat.

Eine Anmerkung vorab: Kein einziges Stück in diesem Programm hätte von einer auf 20 Musiker reduzierten Militärmusik, wie sie ab Juli verordnet ist, auch nur annähernd adäquat verwirklicht werden können. Eine „Bauernkapelle“ mit 20 Mann kann im Festzelt aufspielen, mehr nicht. Da waren unter dem Deckmäntelchen des Spargedankens im Ministerium absolut praxisfremde Schreibtischtäter am Werk. Leidtragende sind tradierte Kultureinrichtungen, die nun als politischer Zankapfel existenzbedrohend in die Mühlen der Parteiinteressen geraten sind.

Gewaltiges Aufbäumen

Es ist wie ein letztes, gewaltiges Aufbäumen gegen den drohenden Untergang, was die Militärmusik Vorarlberg da auf der großen Bühne aufgeboten hat: Ein Klangkörper in Höchstform, bestens vorbereitet, dynamisch, motiviert, konzentriert in der Durchführung. Beeindruckend die für solche Aufgaben einfach erforderliche Stärke von über 50 Musikern, darunter vier junge Damen für Mangelinstrumente im Holzregister. Und in der Besetzung endlich genug Klarinetten, die, wo immer man sie sich ausgeliehen haben mag, nun für einen abgerundeten, weniger „blechigen“ Klang von großer Ausgewogenheit und Sauberkeit sorgen. Auch Hauptmann Wolfram Öller ist längst in seine Aufgabe hinein- und bei diesem sechsten Galakonzert unter seiner Führung auch über sich selbst hinausgewachsen: traditionsbewusst, elegant in seinem Dirigat und trotz militärischer Disziplin kumpelhaft im Umgang mit seinen Untergebenen, wenn er vor der Zugabe mit einem der Klarinettisten „abklatscht“.

Voll subtiler Symbolik

Sein gewaltiges Programm ist voll subtiler Symbolik zur herrschenden Situation. Nicht umsonst startet er mit der düsteren „Egmont“-Ouvertüre, die Beethoven zu Goethes Trauerspiel komponiert hat, und weist damit darauf hin, dass sich ein solches eben auch um die Existenz seiner Mannschaft abspielt. Mit dem „Traum eines österreichischen Reservisten“ beschwört Öller im zweiten Teil in einer historischen Rückschau samt historischem Bildmaterial und Tonzuspielungen liebevoll den romantisch verklärten „Zauber der Montur“ herauf, wie ihn Carl Michael Ziehrer mit viel Kolorit, Trompeten- und Trommelsignalen und Traditionsmärschen in seinem 45-minütigen Tongemälde eingefangen hat – ein gelungener Wink mit dem Zaunpfahl auf die kulturhistorische Bedeutung der Militärmusik. Dazwischen lockern Solisten das Programm auf: Gefreiter Clemens Breuss als Sänger mit der Arie „Nessun dorma“ aus der diesjährigen Seeproduktion „Turandot“ von Puccini und der Gitarrist Christian Haimel aus Oberösterreich mit dem zweiten Satz aus dem „Concerto de Aranjuez“ von Rodrigo. Die Militärmusik verabschiedet sich mit einem fantastisch arrangierten Glenn-Miller-Medley als waschechte „Big-Band“ so swingend und mit frechen Soli, dass es das Publikum nur schwer auf den Sitzen hält.

Wenn es noch eines Beweises für den Weiterbestand der Militärmusik in derzeitiger Stärke bedurft hätte, dann sind es die demonstrativen Ovationen des Publikums, das nach gut zwei Stunden und der ersten offiziellen Zugabe mit Udo Jürgens‘ „Dankeschön für die Blumen“ noch nicht genug hat und sich den Radetzkymarsch erklatscht. Was bleibt, ist ein Funken Hoffnung.