96 Mal und noch mehr Piz Buin

Kultur / 26.06.2015 • 21:40 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
   
   

Im Vital-Zentrum Felbermayer zeigt Roland Haas einen Querschnitt der Silvretta-Arbeiten.

GASCHURN. Auf seinem Gipfel stand er schon drei Mal, gemalt hat er ihn unzählige Male. Allein 96-fach auf einem Blatt in Sequenzen nach dem Postkartenmotiv, das sich in einem Muster auflöst – der Piz Buin ist und bleibt auch für den Montafoner Künstler Roland Haas ein Mythos.

Gletscherrückgang

Im Rahmen der zahlreichen Jubiläumsveranstaltungen und Ausstellungen zur Erstbesteigung des höchsten Bergs Vorarlbergs vor 150 Jahren zeigt Roland Haas im Vital-Zentrum Felbermayer in Gaschurn einen Querschnitt aus seinem Schaffen, der sich mit dem Alpinismus im Allgemeinen und der Silvretta im Besonderen beschäftigt. Besagtes Blatt, „96 x Piz Buin“, stammt von 2002, ist also lange vor dem heurigen Jubiläum entstanden, und beweist die intensive künstlerische Auseinandersetzung, die der Aquarellist und Maler über die Jahre immer wieder mit dem Berg und in den Bergen geführt hat. Die Gletscherwelt hat es Roland Haas, der von sich sagt „Ich bin ein Gletscherfloh“, schon in den 1980er-Jahren angetan. Seine Reisen zu den verschiedenen Gletschern führten ihn um die halbe Welt. Den Malkasten immer im Gepäck, hat er Gletscher in Island, Grönland und Pakistan gemalt. Und auch in Neuseeland, wo ihm in den 1990ern anhand von Markierungen der Gletscherrückgang erstmals richtig bewusst wurde: „Es ist erschreckend, wie schnell sich das Eis durch den Klimawandel zurückgezogen hat. Seitdem lassen mich die Gletscher nicht mehr los.“ Auch die massiven Veränderungen am heimischen Ochsentaler Gletscher, in unmittelbarer Nachbarschaft des Piz Buin, beobachtet und dokumentiert Roland Haas seither aufs Genaueste, aus nächster Nähe und immer vom selben Standpunkt aus. Gelegenheit dazu hatte er als künstlerischer Leiter des SilvrettAteliers, seit 1998 im Zwei-Jahres-Intervall auf der Bieler Höhe abgehalten, immer wieder.

Jugenderinnerungen

So weisen seine Arbeiten, wie die mit minimalen zeitlichen Verschiebungen operierenden Tagebuchsequenzen und irisierenden Gletscherporträts, die direkt vor Ort entstandenen Aquarelle und die zumeist später im Atelier gefertigten Acrylbilder, nicht nur malerische, sondern auch dokumentarische Qualitäten auf. Zusammen mit der Faszination für die Natur und die Bergwelt, schwingt in den letzten Jahren auch verstärkt ein kritischer Unterton mit, die luftig-leichte Farbigkeit verwandelt sich in kräftige Töne. Neben den Gipfeln als Sujet zeigt die rund 40 Arbeiten umfassende Präsentation, die sich harmonisch ins Ambiente des Hauses fügt, auch figurative Darstellungen. Sie sind geprägt von sehr persönlichen Zugängen des Künstlers, wie jene nach einem Filmstill gemalte Szene, die Roland Haas als Zweijährigen bei einem Bergausflug mit der Familie zeigt. In ähnlich dünnem, fast lasierenden Farbauftrag, der das Verblassen einer frühen Erinnerung evoziert, gemalt, erscheint auch das Bild aus Jugendtagen mit Freunden unter einem Gipfelkreuz.

Allgegenwärtig

Dass er so seine Probleme mit dem katholisch-christlichen Symbol auf der Bergspitze hat, das den Bergsteiger wissen lässt, dass da noch etwas Höheres existiert, gibt Roland Haas unumwunden zu und reagiert in einer fotografisch dokumentierten Arbeit mit buddhistischen Gebetsfahnen, die mit dem Wind die Wünsche zu den Göttern tragen, darauf. Dass das Leben aber kein Wunschkonzert ist, steht gespiegelt auf den Sonnenbrillengläsern eines glücklich in die Kamera lächelnden Paares. Gemalt nach einem Selfie in winterlich-alpinem Setting, ist der Berg zwar nicht sichtbar, aber doch allgegenwärtig, wie immer im Leben von Roland Haas.

Ich bin ein Gletscherfloh. Meine Reisen zu den Gletschern führten mich um die halbe Welt.

Roland Haas
In den Arbeiten von Roland Haas schwingt verstärkt ein kritischer Unterton mit. Fotos: AG
In den Arbeiten von Roland Haas schwingt verstärkt ein kritischer Unterton mit. Fotos: AG

Zur Person

Roland Haas

Geboren: 1958 in Bludenz

Ausbildung: Akademie der bildenden Künste, Wien

Laufbahn: zahlreiche Ausstellungen und Studienreisen, Mitbegründer und Leiter des Kunstforum Montafon, Kurator SilvrettAtelier

Wohnort: Schruns

Die Ausstellung ist im Vital-Zentrum Felbermayer, Dorfstraße 20a, in Gaschurn, bis 13.September zu sehen, täglich 10 bis 12 und 15 bis 19 Uhr.