„Frau in Gold“ und alles drumherum

Kultur / 22.09.2015 • 19:44 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Tobias Natter kuratiert im nächsten Jahr drei große Ausstellungen, und zwar in Wien, Frankfurt und New York. Foto: Schedl
Tobias Natter kuratiert im nächsten Jahr drei große Ausstellungen, und zwar in Wien, Frankfurt und New York. Foto: Schedl

Tobias Natter realisiert große Schau zu Klimt und erarbeitet ein neues Schiele-Verzeichnis.

Christa Dietrich

Wien, New York. Große Filmproduktionen sind mitunter nicht bis ins kleinste Detail historisch genau, das Werk „Die Frau in Gold“ von Simon Curtis mit Helen Mirren in der Hauptrolle, das vor einigen Monaten in die Kinos kam, handelt jedoch nicht nur von einem der spektakulärsten Kunstrückgabefälle nach dem Zweiten Weltkrieg, es dokumentiert auch das fragwürdige Verhalten österreichischer Regierungsmitglieder in den 1990er-Jahren. Das Gemälde „Adele Bloch-Bauer I“ von Gustav Klimt, besser bekannt als „Goldene Adele“, musste jedenfalls nach einem jahrelangen Rechtsstreit Wien verlassen und befindet sich nun in der Neuen Galerie in New York. Dort realisiert der Vorarlberger Kunsthistoriker Tobias Natter, bekanntermaßen ein Experte für die Wiener Kunst um 1900, im Herbst kommenden Jahres eine Sonderausstellung, die berühmte Frauenbildnisse von Klimt vereint und dem amerikanischen Publikum das Thema im Besonderen vor Augen führt.

Neues zu Schiele

Die meisten Arbeiten stammen aus Privatbesitz, das  faszinierende und vielfach reproduzierte „Bildnis Elisabeth Bachofen-Echt“ habe er selbst noch nie im Original gesehen, erzählt der Fachmann im Gespräch mit den VN. Geläufig sind ihm die Werke alle, Natter hat vor rund drei Jahren für den renommierten Verlag Taschen eine große Klimt-Ausgabe erarbeitet. Mit dem Folgeauftrag ist er nun ebenfalls beschäftigt, im Herbst 2016 wird das aktuelle Verzeichnis aller Gemälde von Egon Schiele erscheinen. Natter: „Das letzte Verzeichnis ist über zwanzig Jahre alt und weist große Unterschiede zum aktuellen Deutungsspektrum auf, außerdem waren die Provenienzen damals noch kein Thema.“ Ein Bereich der Kunst, dem sich Natter, der sich als einstiger Leiter des Vorarlberger Landesmuseums nach seinem mit der Kritik an der Klimt-Stiftung begründeten Rücktritt als Direktor des Leopold Museums selbstständig gemacht hat, seit längerem widmet, ist der Farbholzschnitt zur Jahrhundertwende. Für die von Max Hollein geleitete Frankfurter Schirn-Kunsthalle realisiert er die erste Ausstellung über diesen interessanten Aspekt der Geschichte. Obwohl man damals propagierte, dass sich die Kunst über alle Bereiche des Lebens erstrecken sollte, waren die Arbeiten – auch die Objekte der Wiener Werkstätte – nur für eine sehr kleine Gesellschaftsschicht erschwinglich. So manches bürgerliche Zimmer konnte aber mit Farbholzschnitten ausgestattet werden. In hoher Qualität wurden solche, wie Natter erläutert, vor allem von Künstlerinnen geschaffen, die später in Vergessenheit gerieten. Diese Namen möchte er dem Publikum wieder zur Kenntnis bringen, wenn er das erste Projekt gestaltet, das dieses Thema konkret und umfangreich abhandelt. Den deutschen Ausstellungsbesuchern ist Natter vielleicht selbst noch in Erinnerung, vor zehn Jahren kuratierte er unter dem Titel „Die nackte Wahrheit“ in Frankfurt eine Schau, in der die Skandale um Klimt, Kokoschka und Schiele thematisiert wurden.

Bevor die Ausstellung nach Wien kommt, wird man in der Bundeshauptstadt ein weiteres Natter-Projekt begutachten können. Im Barockmuseum des Belvedere wird am 18. März nächsten Jahres die Schau „Fürstenglanz. Europäische Barockgalerien und die Kunst der Ordnung“ gestartet. Der Vorarlberger bietet Einblicke in Sammlungskataloge, die zwischen 1600 und 1800 auch als diplomatische Geschenke verwendet wurden, um den Ruhm einer Bildersammlung in aller Welt zu verbreiten.

Um 1900 waren auch viele entdeckenswerte Künstlerinnen tätig.

Tobias Natter

Ausstellungen

» Barockmuseum Wien: „Fürstenglanz“, 18. März bis 26. Juni 2016

» Schirn-Kunsthalle Frankfurt: „Kunst für alle“, 30. Juni bis 3. Oktober

» Neue Galerie New York: „Gustav Klimt and the Women of Vienna’s Golden Age“, 22. September 2016 bis 16. Jänner 2017