Setzungen, die das Bild zum Klingen bringen

25.09.2015 • 18:51 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ausgangspunkt für die abstrahierende Bildsprache des Malers und Grafikers sind meist subjektive Natureindrücke. Foto: Grabher
Ausgangspunkt für die abstrahierende Bildsprache des Malers und Grafikers sind meist subjektive Natureindrücke. Foto: Grabher

In der Galerie Hollenstein zeigt Franz
Gassner Arbeiten
aus vier Werkzyklen.

LUSTENAU. Farblich und formal reduziert, zeit- und raumlos, zwischen licht und dunkel, zwischen Zeichen und Klang, so kennt man die Arbeiten des Lustenauer Künstlers Franz Gassner. Eine Ausstellung in der Galerie Hollenstein bietet die Möglichkeit, diesem minimalistisch wirkenden Werk anhand von vier Werkzyklen aus den vergangenen zwei Jahrzehnten konzentriert und dicht zu begegnen.

Natureindrücke

„Wirklichkeit und Vorstellung zugleich“ – was Franz Gassner seiner Ausstellung voranstellt und einmal über den Ararat, den archaisch-mythischen und heiligen Berg der Armenier als Urbild des Berges gesagt hat, überschreibt vielleicht auch am treffendsten die beiden Pole, zwischen denen sich sein Kunstschaffen abspielt. Ausgangspunkt für die abstrahierende Bildsprache des Malers und Grafikers sind meist subjektive Natureindrücke und Naturformen, tief erfahren, die in geometrischen Farbflächen, in lasierenden Schichten, der gleiche Farbton, häufig Blau, immer und immer wieder aufgetragen, und in Linien, die zum Zeichen gerinnen, kondensieren und aus der Erinnerung nachhallen. Zu diesen figurativen Vorlagen im weiteren Sinn gesellt sich ein geistig-philosophischer Hintergrund, die große Nähe des Künstlers zu Musik und Literatur. „Für mich ist Kunst eine Existenzfrage, (…) eine innere Notwendigkeit“, sagt Franz Gassner. So zieht sich nicht nur das menschliche Maß als formatgebende Konstante und Proportion durch sein Werk, auch existenzielle Ereignisse, wie der schwere Unfall in Kindertagen, thematisiert der Künstler und arbeitet sie Jahre später in berührenden, zu tiefst persönlichen Bildfolgen in Karminrot wie „Vernarbte Wunden heilen“ und „Einschnitte“ auf. Immer wieder sind es auch Reisen, die sich im Werk von Franz Gassner niederschlagen.

Komprimiertes Leben

Nicht als oberflächliche Eindrücke und Motive, sondern als verinnerlichte Erfahrungen, als im Bild „komprimiertes Leben“, übertragen in ein abstraktes Liniengeflecht, wie 1992, die nach einem Aufenthalt auf der griechischen Insel Chios entstandenen Arbeiten. Ungemein stärker geprägt hat den Künstler aber bereits 1983 eine Reise nach Armenien. Der Genozid am armenischen Volk, das schneebedeckte Dreieck des Ararat, die eigenständige Sprache mit ihren Lautzeichen, die Begegnung mit Landschaft, Menschen und Kultur: „Meine Bilder zu Armenien sind wie eine Meditation, in der das Geschehen eingeschlossen ist“, erklärt Franz Gassner seine Bildfolgen, die wie ein Gang durch die Geschichte dieses Landes anmuten. Waren es bis dato vor allem scheinbar geometrische Konstruktionen, die jedoch aus der Verdichtung bildlicher Gegenstände resultierten, so dominieren freischwingende Zeichen die Serien der „Zeichenfelder“, die ausgehend vom Bild der Schwertlilien auf dem Feld zu Symbolen von Wachsen, Werden und Vergehen geworden sind. Besonders in die großen, ungemein präsenten Formate dieser anmutigen Linienfelder taucht man als Betrachter förmlich ein, wird Teil dieser rhythmischen Setzungen, die das Bild förmlich zum Klingen bringen.

Ich habe ein besonderes Verhältnis zur Natur, aber das Primäre ist für mich stets der Mensch.

Franz Gassner

Zur Person

Franz Gassner

Maler und Grafiker

Geboren: 1941 in Frastanz

Ausbildung: Hochschule für angewandte Kunst, Wien

Laufbahn: zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland, Kunst im öffentlichen Raum

Auszeichnungen: u.a. Förderpreis des Landes Vorarlberg, Ehrengabe des Landes Vorarlberg

Wohnort: Lustenau

Die Ausstellung ist in der Galerie Hollenstein, Pontenstraße 20, in Lustenau, bis 18. Oktober geöffnet,
Fr und Sa, 17 bis 20 Uhr, So und Feiertag, 10 bis 12 und 14 bis 17 Uhr.