Ein feinsinniger Spötter, der vor allem eines verabscheute: Langeweile

30.09.2015 • 17:58 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Hellmuth Karasek mit eigenem Buch „Auf der Flucht“. Foto: dpa
Hellmuth Karasek mit eigenem Buch „Auf der Flucht“. Foto: dpa

Literaturkritiker Hellmuth Karasek ist im Alter von 81 Jahren gestorben.

Hamburg. Jahrelang diskutierte Hellmuth Karasek mit Marcel Reich-Ranicki und weiteren Kritikern in der ZDF-Sendung „Das Literarische Quartett“ über neue Bücher. Dabei ergänzten sich der oft polternde Reich-Ranicki und der eher feinsinnig-spöttische Karasek, sodass andere in der Runde kaum einen Stich bekamen. Am Dienstag ist Karasek im Alter von 81 Jahren in Hamburg gestorben – zwei Jahre nach Reich-Ranicki. Damit geht auch eine Ära der Platzhirsche der Literaturkritik in Deutschland zu Ende.

Die Neuauflage des Fernsehklassikers konnten beide nicht mehr miterleben: Am Mittwoch sollte die erste neue Sendung des „Literarischen Quartetts“ aufgezeichnet werden. Bundespräsident Joachim Gauck erklärte: „Ohne ihn wäre das literarische Leben in unserem Land sehr viel ärmer – und auch erheblich langweiliger.“ Karasek war ein kultureller Tausendsassa: Journalist, Kritiker, Moderator, Romancier, Dramatiker. Und er liebte das Publikum. Selbst nachdem das „Quartett“ (1988–2001) nach 77 Folgen eingestellt wurde, tauchte der Kulturkritiker immer wieder auf dem Bildschirm auf.

Geboren wurde Karasek 1934 als eines von fünf Kindern im mährischen Brno. Ende des Zweiten Weltkrieges floh die Familie vor der Roten Armee nach Sachsen-Anhalt. Nach dem Abitur studierte Karasek in Tübingen Germanistik, Geschichte und Anglistik. „Ich habe in zwei Diktaturen gelebt. Die erste habe ich gemocht und erst später gemerkt, dass das ein Schweineregime war. Die zweite habe ich von Anfang an gehasst.“

Aussagen von Karasek

Ohne meine Frau wäre ich aufgeschmissen. Sie liest viel mehr als ich und gibt mir wichtige Anregungen. Selten haben wir unterschiedliche Auffassungen über Bücher.

Seine große Leistung ist es gewesen, Amerikaner mit Leib und Seele zu werden und Europäer mit Herz und Verstand zu bleiben. (zu Billy Wilder)

Ein großer Autor, der inzwischen vor lauter Eitelkeit nicht laufen kann. (zu Günter Grass)

Ich habe mir fest vorgenommen, mich nicht unter meinem Niveau zu ärgern. Das ist alles.