Aber nie geschwätzig

02.10.2015 • 18:34 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Werner Feiersinger und Gerold Tagwerker vereinen skulpturale Setzungen, Objekte und Fotografien im Bregenzer Künstlerhaus. Foto: AG
Werner Feiersinger und Gerold Tagwerker vereinen skulpturale Setzungen, Objekte und Fotografien im Bregenzer Künstlerhaus. Foto: AG

Arbeiten von Werner Feiersinger und Gerold Tagwerker treten in einen Dialog.

Bregenz. Die Architektur der Moderne, ein Nahverhältnis zur Minimal Art und zur Arte Povera und die Auseinandersetzung mit dem Raum in materialhaftem Objekt und Fotografie – in diesen Bezugsfeldern bewegen sich Werner Feiersinger und Gerold Tagwerker auf jeweils eigene Weise. Günstigste Voraussetzungen, um beider Arbeiten im Bregenzer Künstlerhaus in einen intensiven, befruchtenden Dialog zu verspannen. Darauf stimmt mit einer großzügigen Geste gleich das Szenario im Erdgeschoss ein. Eine elegant geschwungene Stahlstruktur siebt wie ein überdimensionaler Zaun nicht nur den Blick. Physisch erfahrbar, schafft Werner Feiersingers (geboren 1966 in Brixlegg, lebt in Wien) Zitat als 1:1 Nachbau eines Bauteils der Villa Savoye von Le Corbusier auch Raum im Raum. Darin begegnen sich eine Fotoarbeit Feiersingers und eine Spiegelarbeit des Vorarlbergers Gerold Tagwerker (geboren 1965 in Feldkirch, lebt in Wien).

Basierend auf dem sogenannten „grid“, als dem geometrischen Raster, an dem sich Tagwerker abarbeitet, legt sich über die Spiegelfliesen mit ihren Cracks ein Bruchbild. In das hinein gerät man nicht nur als Betrachter bei der Annäherung unweigerlich, auch der umgebende Raum und Feiersingers Skulptur und Foto kommen einem dabei in die Quere. Aber genau dieses Momentum, das zwischen Selbsterkenntnis und Illusionismus kippt, macht sich der Künstler in seinen Objekten mit Realitätsbezug immer wieder zunutze, zerstückelt die Wirklichkeit und wirft die Frage nach Bild und Spiegelbild auf. Neben seinen Fotoarbeiten, die als Schwarzweiß-Prints vor allem Details von anonymer Architektur des amerikanischen Modernismus und architektonischen Strukturen der 1960er und 1970er Jahre wiedergeben, zeigt Tagwerker in Bregenz auch zwei Objekte, die ein Modell des russischen Avantgardisten Alexander Rodtschenko aus den 1920er Jahren als Blow-Ups in vergrößertem Maßstab und neuer Materialität in die skulpturale Gegenwart transferieren. Während das Material von Gerold Tagwerker, dessen Arbeiten noch bis 18.Oktober in einer auf die besonderen Räumlichkeiten zugeschnittenen Ausstellung im Kunstmuseum Appenzell zu sehen sind, seine Materialien direkt und unbehandelt einsetzt, widmet Werner Feiersinger sein Augenmerk besonders der Oberfläche.

 Eine Leiter ist eine Leiter

Dem Anschein des Kostbaren misstrauend und eher auf den Charakter des Unfertigen setzend, lässt er beispielsweise die dicken Edelstahlrohre einer wie achtlos auf dem Boden abgelegten Leiter unter einer lapidaren Schicht von beider Grundierungsfarbe verschwinden. Natürlich liegt die Leiter, zeichenhaft, metaphorisch und mehrdeutig, die eine Funktion vortäuscht, die sie in keiner Weise einlöst, nicht zufällig vor den Fotos Feiersingers, die in Indien, in Le Corbusiers Planstadt Chandigarh, entstanden sind. Sie zitiert vielmehr die einfachen Bambusleitern, von denen der Künstler in Indien fasziniert war und damit auch seine Verortung in weitreichenden kunst- und architekturhistorischen, aber auch in persönlichen Bezügen. Dass darüber hinaus eine allgemeine Lesbarkeit vorhanden ist, zeichnet sowohl das Schaffen von Feiersinger, dessen Werkskizzen den Weg zur Skulptur aufzeigen, als auch Tagwerker aus.

In der Juppenwerkstatt wird gestickt. Foto:VN/cd
In der Juppenwerkstatt wird gestickt. Foto:VN/cd
In der Juppenwerkstatt wird gestickt. Foto:VN/cd
In der Juppenwerkstatt wird gestickt. Foto:VN/cd

Geöffnet im Künstlerhaus, Gallusstraße 10, in Bregenz, bis 8. November, Di bis Sa, 14 bis 18 Uhr, So und Feiertag, 11 bis 17 Uhr.