Äußerst schwungvoller Höhenflug

Kultur / 02.10.2015 • 22:20 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Mit der Kunsthalle „Arlberg 1800“ wird ein ehrgeiziges Ausstellungs- und Konzertprojekt auf der Passhöhe bzw. in St. Christoph am Arlberg gestartet. Fotos: Mathis, VN/Hofmeister
Mit der Kunsthalle „Arlberg 1800“ wird ein ehrgeiziges Ausstellungs- und Konzertprojekt auf der Passhöhe bzw. in St. Christoph am Arlberg gestartet. Fotos: Mathis, VN/Hofmeister

In der neuen Kunsthalle „Arlberg 1800“ soll vielerlei Platz haben, das hohe Qualität hat.

Christa Dietrich

St. Christoph. Optimismus ist im Allgemeinen eine gute Voraussetzung, wenn man etwas erreichen will. Florian Werner besitzt viel davon. Sein Projekt ist ehrgeizig und bekannt. Wer allerdings noch vor wenigen Tagen die Arlbergpassstraße hinaufkurvte, um kurz hinter der Landesgrenze zu Gesicht zu bekommen, was seit Längerem geplant ist – nämlich eine halb unterirdisch errichtete Kunsthalle auf 1800 Metern mit daran angeschlossenem Konzertsaal und Künstlerateliers, der stieß auf Unerwartetes. Nein, das war nicht der kurzfristig hereingebrochene Schnee, der sich wie ein schönes Muster auf den noch grünen Hängen abzeichnete, sondern der rohe Verputz, offene Böden und emsiges Treiben neben Kabeln und Flammen.

Mittendrin bugsierte der Hotelier, Kunstfreund, Sammler, Galerist und nun auch Kulturveranstalter die kleine Besuchergruppe durch Räume und Säle über Treppen und Flure, um schließlich strahlend auf die Dachterrasse zu gelangen. Beim Blinzeln ins Bergsonnenlicht war man mit ihm einig: Da entsteht etwas Einzigartiges, Schönes, Interessantes. Vier Tage später nachdem sich das Verlegen des Parketts im zentralen Konzertsaal noch wie ein schwer lösbares Puzzle ausnahm, fand auch schon das erste Konzert statt. „Wenn keiner kommt, dann setze nur ich mich rein und genieße das Konzert ganz allein für mich“, umschreibt der kunstsinnige Unternehmer im Gespräch mit den VN seine Sicht der Dinge. Daraus wurde nichts, den Genuss hatte er zu teilen. Mit vielen Musik- und Kunstfreunden, die sich erwartungsgemäß auch am kommenden Sonntag auf den Weg auf die Arlbergpasshöhe machen, denn die offizielle Eröffnung ist angesagt.

„Ein Soft-Opening“, nennt Werner das, was er in den nächsten Wochen vor hat. Dass hie und da eine Wand noch unverputzt ist, sollte aber wohl kein Problem sein, denn während andere Gebäude errichten und dann Veranstaltungskonzepte ausarbeiten lassen, hat bei ihm und seiner Frau Ursula bereits alles Glanz und Format.

Veranstaltungskonzept

Peter Vogel, seines Zeichens Musiker und Ausrichter von Festivals für Nachwuchskünstler am Bodensee, hat ein Konzertprogramm

für den klassischen Teil entworfen, für die bildende Kunst ließ Werner einerseits den sicheren Instinkt walten, andererseits setzte er aber auch auf die Professionalität der Wiener „section a“, die ihn vor allem beim „Artist in Residence“-Programm unterstützt.

Künstler werden auf 1800 Metern Meereshöhe nicht nur ausstellen können, sie werden hier auch arbeiten. Von dieser Öffnung des altehrwürdigen Hospiz-Gebäudes haben bereits einige profitiert. Die Idee wird zur Dauer­einrichtung.

„Hier darf geschwemmt werden, es ist mir egal, wenn der Boden schon bald voller Farbe ist“, deutet

er in die beiden Ateliers hinter der Kunsthalle. Großzügig angelegt sind sie und ergänzt wurden sie von Räumen neben dem Konzertpodium. Auch hier ist Üben erlaubt. Das Wort „Meisterkurse“ fällt und zudem will er betont haben, dass er und seine Berater in erster Linie die Qualität im Auge haben und nicht ein bestimmtes Genre.

Mit Gütesiegel

Ein Gütesiegel, das der Weinkenner im Auge hat, in dessen Haus bekanntermaßen edle bzw. edelste Tropfen lagern, könne auch dem Kabarett anhaften. Und tatsächlich findet der Betrachter des Herbstprogramms nicht nur Klassisches (die junge Pianistin Claire Huangci bestreitet den Auftakt), sondern auch Volksmusik und Witz. Wobei, na ja, wer Florian Werner genau zuhört, der bekommt schon mit, dass er danachtrachtet, auch im Bereich der Musik- Stars anzulocken. Chris de Burgh wird am 21. November kommen und die Pop-Schiene krönen, dass einmal Jonas Kaufmann da sein könnte, daran arbeitet er.

Ein ordentliches Stück Arbeit steckte freilich auch in der Finanzierung des 26-Millionen-Projektes. Werner hat keinerlei Scheu, vom Bankenabklappern zu erzählen. Den Bau nach Plänen von Jürgen Kitzmüller hat er schließlich auch mit dem Verkauf von Appartements gestemmt. Sie stehen nicht leer, wenn die Besitzer nicht selbst da sind, sondern werden weitervermietet. „Arlberg 1800“ mit einer permanenten Installation des österreichischen Künstlers Hans Schabus soll schließlich frequentiert werden, möglichst täglich.

Wenn keiner kommt, dann setze nur ich mich rein und genieße das Konzert ganz allein für mich.

Florian Werner

Kunsthalle Arlberg

Spatenstich: April 2013

Baubeginn: Juli 2014

Aushub: 40.000 m3

Areal: 1500 m2 Fläche

» Ausstellungshalle ca. 600 m2

» Project Space 150 m2

» 2 Studios für Artists in Residence

» Foyer 200 m2

» Konzertsaal 200 Quadratmeter

» Musik- und Kunstateliers

Die Kunsthalle wird am 4. Oktober eröffnet. Das Konzertprogramm wird sofort gestartet: www.arlberg1800RESORT.at