Ohne Angaben von Gründen abgeschmettert

Kultur / 02.10.2015 • 20:21 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Objekt des Bregenzer Künstlers Marbod Fritsch. Foto: Fritsch
Objekt des Bregenzer Künstlers Marbod Fritsch. Foto: Fritsch

Fundamentale Fragen des Kunstschaffens beschäftigen das Künstlerhaus in Wien.

Wien. (jal) Zum Auftakt der Ausstellungsreihe zum Thema „Brennende Fragen“ zeigt das Künstlerhaus in Wien die Werke von knapp 70 nationalen und internationalen Künstlern, darunter fünf Vorarlberger, die allesamt nicht verwirklicht wurden oder schlicht und einfach in einer Schublade gelandet sind.

Mit diesem Blick in die Archive der nicht realisierten künstlerischen Projekte eröffnet die Ausstellung unter dem Titel „Über: Angebot“ interessante Einblicke in einen Aspekt des künstlerischen Schaffens, der den allermeisten Menschen verborgen bleibt. Denn zu sehen bekommt das Publikum meist nur die erfolgreichen und verwirklichten Projekte. Aber das Realisierte ist nur die Spitze des Eisbergs des Nichtrealisierten.

Vielfältige Gründe

Beim Betreten des Plastikersaals im Erdgeschoss des Künstlerhauses fühlt man sich wie in einem Atelierraum, denn die vielen bunt durcheinandergewürfelten Arbeiten verbreiten eine geschäftige Atmosphäre.

Die Ausstellungsobjekte sind ebenso vielfältig wie die Gründe für deren unverwirklichtes Dasein. Manche Projekteinreichungen wurden schlicht und einfach abgelehnt und manche Werke konnten aufgrund einer finanziellen Herausforderung nicht umgesetzt werden, wie beispielsweise die „Love Letters“ von Christoph Überhuber, der ein von ihm selbst illustriertes Buch mit Texten von Ariadne von Schirach herausbringen wollte. Andere Ideen, wie jene von Marbod Fritsch, der den gläsernen Eingangsbereich eines Unternehmens flächendeckend bedrucken wollte, wurden schlicht und ergreifend vom Auftraggeber mit den Worten „Das brauchen wir nicht“ abgelehnt. Oder auch ein banaler Grund wie der Platzmangel in einer Ausstellung sorgte dafür, dass die Fotoserie zur heutigen Konsumgesellschaft von Eva Kees in der Schublade landete. Die Erklärung für das Nichtrealisieren der Ideen ist stets neben dem Entwurf oder dem Kunstwerk selbst abzulesen. Vielfach wird hier auch auf das Benehmen von Vertretern einer Institution oder Kommission hingewiesen, wie beispielsweise bei Harald Gfader, derauf die Weise mit der sein Projekt „Oh Europa“, ein in Bezugnahme auf die Flüchtlingstragödien vor Lampedusa entwickeltes Raumkonzept, abgelehnt wurde, mit Ironie reagiert. Gleich erging es der Vorarlbergerin Silke Maier-Gamauf, deren gemeinsam mit Romana Hagyo konzipierte Installation für den öffentlichen Raum im 15. Wiener Gemeindebezirk ohne Angabe von Gründen, abgelehnt wurde.

Die Ausstellung „Über: Angebot“ ist im Wiener Künstlerhaus  bis 18. Oktober zu sehen: www.k-haus.at