Wenn Barockmusik zum Jazz wird

04.10.2015 • 18:58 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Im Rahmen des Konzertes wurde auch die neue CD präsentiert. Foto:JU
Im Rahmen des Konzertes wurde auch die neue CD präsentiert. Foto:JU

„Concerto Stella Matutina“ bricht nach zehn Jahren zu neuen Ufern auf.

GÖTZIS. Teufelskerle sind sie schon, die Leute von „Concerto Stella Matutina“. Seit Jahren sorgen sie mit viel Gespür und tollen Ideen dafür, dass es ihrem treuen Stammpublikum trotz der ewig gleichen Stilrichtung Barock bei den Abo-Konzerten niemals langweilig wird. Auf gewohnt hohem Level wurde Konzert Nr. 3 zum besonderen Event, ging doch dank zweier Percussionisten als Gästen glatt der Gaul mit der Truppe in Richtung Jazz durch.

Das ist gar nicht so abwegig, wie es scheint, sind die beiden Bereiche doch vor allem durch das gemeinsame Element der Improvisation eng verbunden. Symbiosen finden sich etwa auch im Programm des Ensembles „L’Arpeggiata“, für „CSM“ war diese Entwicklung neu. Entscheidende Impulse kamen von den zwei Schlagkünstlern, dem gebürtigen Bregenzer und international gefragten Claudio Spieler und seinem prominenten spanischen Partner David Mayoral. Obwohl die beiden noch niemals zusammen aufgetreten sind, agieren sie so kongruent wie ein eingespieltes Duo, mit Feeling für Timing, Witz, Fantasie und Virtuosität und mit brillanter Fingertechnik.

Barockoper geplant

Auf ihrem Arsenal von alten und neuen Schlaginstrumenten aus aller Welt, wie Rühr- und Rahmentrommeln, ganzen Familien von Kastagnetten und Glöckchen, zaubern sie gemeinsam mit dem diesmal schlanker besetzten Ensemble eine Klangwelt herbei, die von barocken Formen bei Stücken von Kapsberger und Guerrero unversehens in den Jazzbereich flutscht. Das vermischt sich mit Ethno-Elementen einer geheimnisvoll tiefen Blockflöte (Katya Polin), den markigen Bassläufen einer lautenähnlichen Colascione (Mirko Arnone), zarten Harfenklängen (Margret Köll) und der groovigen Trompete von Herbert Walser-Breuss zu Klängen, wie man sie in dieser Reihe in solch berührender Intimität und mitreißender Spontaneität noch nie gehört hat. Es gibt keinen Fuß im Saal, der dabei nicht im Takt mitwippt. Kurzweil hat für diesen Abend schon das Motto mit dem Wortspiel „Alles Balletti“ verheißen, womit die barocken Tanzformen gemeint waren, die sich diesmal besonders prägnant durch den Abend zogen. Auch hier sind Vielfalt und ein Höchstmaß an Spielfreude angesagt, wenn Konzertmeisterin Silvia Schweinberger bei Poglietti oder Schmelzer auf ihrer Violine atemberaubende Soloeinlagen gibt oder ihr Instrument in einer „Gavotta gallica“ bewusst „schmieren“ lässt, wenn Organisator Bernhard Lampert einmal auch zum Zink als Vorläufer der Trompete greift.

Bei alledem profiliert sich Cellist Thomas Platzgummer immer mehr zum Moderator, der den hinterhältigen Witz eines amerikanischen TV-Entertainers pflegt. Dass das Repertoire an Einfällen für die Zukunft auch nach den kommenden Jubiläumskonzerten noch lange nicht ausgeschöpft ist, lässt seine Ankündigung erkennen, dass die von den VN prophezeite Barockoper im kommenden Jahr umgesetzt wird.

Jubiläumskonzerte:
17. Dezember, 20 Uhr, Kulturbühne Götzis; 18. Dezember, 20 Uhr, Dom St. Nikolaus, Feldkirch