Städte wollen es dem Land zeigen

05.10.2015 • 19:05 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Bericht in den VN vom 8. Juli 2014

Bericht in den VN vom 8. Juli 2014

Kulturhauptstadtprozess nimmt konkrete Formen an. Land verhält sich skeptisch.

Christa Dietrich

Bregenz. „Ich wäre nicht bereit, sehr viel Geld auszugeben, nur damit es einen Titel gibt, das Wertvollste ist für mich der Prozess“, erklärt Markus Linhart seinen Standpunkt. Der Bregenzer Bürgermeister hat im Mai dieses Jahres öffentlich gemacht, dass in der Landeshauptstadt eine Bewerbung um den Europäischen Kulturhauptstadt-Titel überdacht wird. Österreich wird im Jahr 2024 wieder den Zuschlag bekommen, inzwischen behandeln die Städte Bregenz, Dornbirn, Hohenems und Feldkirch die Frage gemeinsam und haben, wie Linhart bestätigt, bereits in Lindau, Friedrichshafen, St. Gallen und Liechtenstein sowie im Bregenzerwald Gespräche bezüglich der Einbeziehung der Region geführt. „Können wir es, wollen wir es, brauchen wir es“, diese Fragen will Linhart „seriös und professionell“ beantwortet haben.

Konkret befasst sind damit Stadtmarketingchef Christoph Thoma in Bregenz sowie die Kulturamtsleiter Roland Jörg, Martin Höblinger und Harald Petermichl in den Rheintalstädten. Während fest steht, dass die Arbeitsgruppe ihre Tätigkeit intensiviert hat (und beispielsweise in der kommenden Woche mit Oliver Scheytt, dem Intendanten von „Ruhr 2010“, einen Workshop abhält), hört man auf der Seite des Landes nun eher skeptische Töne. Kulturabteilungsleiter Winfried Nussbaummüller, der noch im Februar dieses Jahres Ulrich Fuchs, den Vize-Intendanten der Kulturhauptstadt Marseille 2013, als Star-Redner zur Kulturenquete nach Feldkirch lud, stützt sich dabei auf die Befürchtungen der Kulturkommissions- und Kulturbeiratsmitglieder, die eine etwaige Schmälerung der Subventionierung Vorarlberger Kulturschaffender zugunsten des Budgets für eine Kulturhauptstadt vehement ablehnen. 

Zukunftsfragen

So weit sei man noch gar nicht, kommentiert Markus Linhart gegenüber den VN die Kostenfrage. Jeder Betrag, der jetzt genannt wird, wäre eine „gewürfelte Zahl“. Geld dürfe nicht das Kriterium sein, Linhart umreißt die Thematik philosophisch und sieht in der Abklärung, ob man sich nun bewirbt oder nicht, auch wesentliche Zukunftsfragen behandelt: Man zähle zu den Top-Regionen Europas. Wenn man jetzt nicht überlegt, wie ein Wandel in unterschiedlichsten Bereichen ausschaut, dann könne man den hohen Status möglicherweise nicht mehr halten.

Ein Blick auf die Geschichte der Europäischen Kulturhauptstädte beweist, dass die bisherigen Städte sehr unterschiedliche Summen aufgewendet haben. In die Gesamtsumme fließen zudem Mittel des Bundes. Roland Jörg (Dornbirn) berichtet im Gespräch mit den VN über gedeihliche Verhandlungen in den Nachbarländern bezüglich Querverbindungen und Entwicklungen, Christoph Thoma (Bregenz) setzt beim Blick auf mögliche andere Bewerber aus Österreich auf die Stärke des Ballungsraumes Rheintal: „Es geht auch darum, dass wir über die Stadtgrenzen hinweg gemeinsam an Ideen arbeiten.“ Thoma möchte im Zuge der Ja- oder Nein-Abklärung auch die Definition von Kunst und Kultur behandeln und mit Fakten belegt haben, warum man sich in Vorarlberg bereits jetzt gerne als „Kulturregion“ bezeichnet. Anfang nächsten Jahres will die Arbeitsgruppe den politischen Entscheidungsträgern ein Dossier vorlegen, bis zum späten Frühjahr 2016 soll entschieden werden, ob man sich bewirbt. Im Jahr 2018 müsste die Bewerbung ausgearbeitet sein und ein Jahr später wird im EU-Gremium entschieden, welche Stadt bzw. Region in Österreich den Titel im Jahr 2024 trägt.

Wir haben uns darauf geeinigt, dass im Frühjahr entscheidungsreife Unterlagen vorliegen.

Markus Linhart

Am 16. Oktober legen Studierende im Vorarlberg Museum in Bregenz eine Studie zur Kulturhaupstadt auf.