CD-Tipps. Von Fritz Jurmann

06.10.2015 • 16:56 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

KÜNSTLER: Jonas Kaufmann, Tenor

ALBUM: Nessun dorma – The Puccini Album

LABEL: Sony classical

Da ist auf diesem Album alles versammelt, was sich der Opernfreund an Tenor-Arien von Giacomo Puccini wünscht. Bezeichnend, dass die drei Topnummern daraus bereits auf der Bregenzer Seebühne zu erleben waren: „O soave fanciulla“ aus „La Bohème“ (2001/02), „Recondita armonia“ aus „Tosca“ (2007/08) und vor allem das titelgebende „Nessun dorma“ aus „Turandot“ (2015/16), derzeit der „Schlager von Bregenz“. Der Münchner Startenor Jonas Kaufmann (46) singt speziell diese Arie mit nicht weniger Schmelz und Italianità als dereinst Luciano Pavarotti und dabei doch auf unvergleichliche Art, die Weltformat verkörpert: glanzvoll, berückend, in aufregend baritonaler Färbung. Und mit einem „Vincero!“, das man so schnell nicht wieder vergisst. Das ist Klangluxus pur, eine Klasse, für die der Godfather der Operntenöre zurzeit keinerlei Konkurrenz zu fürchten braucht.

KÜNSTLER: Martin Stadtfeld, Klavier

ALBUM: Mozart Klavierkonzerte 1 + 9, Londoner Skizzenbuch

LABEL: Sony classical (2 CDs)

Der deutsche Pianist Martin Stadtfeld (34), bei der Schubertiade seit Längerem vor allem mit Bach geschätzt, widmet sein neues Doppelalbum dem jungen Mozart. Zusammen mit dem Mozarteum-Orchester Salzburg unter Ivor Bolton stellt er das dreisätzige Klavierkonzert Nr. 1 in F-Dur, KV 37, des Zehnjährigen von 1766 dem neun Jahre später entstandenen, ersten „Meisterkonzert“ Nr. 9 in Es-Dur, KV 271, gegenüber, zeigt damit nicht nur thematische Verbindungen auf, sondern auch unglaubliche Entwicklungen von der Frühreife Mozarts zu seiner grandiosen Genialität. Stadtfelds entschlacktes Spiel, transparent und durchsichtig, bekommt vor allem dem „Londoner Skizzenbuch“ des damals achtjährigen Komponisten. Auf die musikhistorische Bedeutung dieser 36-teiligen Sammlung hat schon 2003 in einer Ersteinspielung samt Neudruck der Vorarlberger Pianist und Musikwissenschaftler Hans-Udo Kreuels eindrücklich aufmerksam gemacht.

KÜNSTLER: Militärmusik Vorarlberg, Leitung Hptm. Wolfram Öller

ALBUM: Mein Vorarlberg – Marschmusik aus dem Ländle

LABEL: ORF Vorarlberg

Die Emotionen sind hoch gegangen rund um die Erhaltung unserer Militärmusik Vorarlberg – geblieben ist ein auf 20 Mann zwangsdezimiertes Häuflein. Es verdient den Namen Militärmusik nicht, weil man damit nicht einmal mehr einen Marsch ordentlich spielen kann.

Genau das aber hat die Militärmusik noch ein letztes Mal getan, bevor dieses Stück Kulturgut zerstört wird. Mit einer imposanten Reihe von 19 alten und neuen Märschen aus Vorarlberg wurden damit, dank der Vorsorge von Blasmusikverband und ORF Vorarlberg, zum Abschied nochmals ihre Qualitäten dokumentiert. Die mitreißende Art, wie hier unter Hauptmann Wolfram Öller musiziert wird, löst Kopfschütteln darüber aus, wie leichtfertig man eine solche Einrichtung „amtlich“ entsorgt. So wird diese technisch und musikalisch top gelungene Einspielung zum wertvollen Erinnerungsstück.

KÜNSTLER: Concerto Köln

ALBUM: Charles Avison – Concerti grossi nach Scarlatti

LABEL: BERLIN Classics/Edel:kultur

Seit 30 Jahren begeistert das Concerto Köln mit seinem lebendigen Musizierstil auf Originalinstrumenten. Diese Vergangenheit reicht über sein Vorgänger-Ensemble auch auf zahlreiche Rundfunkproduktionen in Dornbirn zurück. Insider sprechen im Zusammenhang mit dem wiederholten Aufspüren von Perlen der Barockmusik durch Concerto Köln auch von einem „musikalischen Trüffelschwein“, das diesmal beim bislang unbekannten englischen Komponisten Charles Avison fündig geworden ist. Er hat damals das Repertoire des auf der Insel populären italienischen Concerto grosso bereichert, indem er Cembalo-Sonaten von Domenico Scarlatti für Streichorchester bearbeitete und dabei aber auch seine ganz eigenständige Handschrift entwickelte. Diese Vorgänge realisiert Concerto Köln mit einem atemberaubend klaren und doch sinnlichen Klang, bravourös in langen Spannungsbögen und spieltechnisch brillant.