Mit der Ukulele sangen wir zu zweit in der Küche

06.10.2015 • 16:56 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Porträt der Malerin Maria Lassnig. Foto: Sepp Dreisinger
Porträt der Malerin Maria Lassnig. Foto: Sepp Dreisinger

Seine Porträts haben Kultstatus. Nun legt Sepp Dreissinger seine Auseinandersetzung mit Maria Lassnig vor.

Wien, feldkirch. „Maria Lassnig. Gespräche & Fotos“ (Album Verlag) bietet alles, was man sich von einem Künstlerbuch erwarten kann, das sich weniger auf die Werke selbst als auf die Hintergründe von Lebens- und Werkgeschichte konzentriert. Der 1946 geborene, aus Feldkirch stammende Fotograf und Filmemacher hat die im Vorjahr 94-jährig verstorbene Malerin über Jahre hinweg immer wieder besucht, in ihren Wiener Ateliers, aber auch in ihrem abgelegenen Kärntner Refugium in einem ehemaligen Schulhaus. Dabei hat er nicht nur eine Vielzahl von eindringlichen Porträtfotos von ihr gemacht, sondern auch lange Gespräche mit ihr geführt und diese dokumentiert.

Es entstand ein Naheverhältnis. „Im Verlauf der folgenden Jahre bat sie mich immer öfter, neben diversen Erledigungen, sie in meinem auto in ihre Lieblingsparks zu fahren“, schreibt Dreissinger in seinem Vorwort über die „Diva Maria“, in dem er auch von einem spontan gemeinsam verbrachten Weihnachtsabend berichtet, an dem er sie besuchte. „Ausgerüstet mit meiner Ukulele, sangen wir zu zweit in ihrer kleinen Küche einen Abend lang gemeinsam Lieder wie ,Frère Jacques‘ und ,Sur le pont‘ – unverschämt unweihnachtlich …“

Zahlreiche Gespräche

Dreissinger hat nicht nur weitere, von anderen Gesprächspartnern geführte Interviews initiiert, sondern auch selbst eine Vielzahl weiterer Gespräche geführt, diese protokolliert und dabei fotografiert. Frühe Freunde und Lebensgefährten Lassnigs wie Arnulf Rainer und Oswald Wiener sind darunter, Modelle wie Lisa und Christoph Resch oder Wolfgang Moser, Experten, Museumsdirektoren und Galeristen wie Hans Ulrich Obrist, Agnes Husslein-Arco, Edelbert Köb, Iwan Wirth oder Gabriele Wimmer. Es sind insgesamt 30 Gespräche, die in verschiedensten Schattierungen alle ein Bild entstehen lassen, das dieselbe Grundierung aufweist: eine Persönlichkeit und geniale Künstlerin.

Das Projekt ist eine Fundgrube für Kunsthistoriker, Kunstinteressierte und Lassnig-Fans.

Filmpremiere: 10. Oktober, RadioKulturhaus Wien mitLivestream. www.seppdreissinger.at