Alte Meister sind nichts für Zartbesaitete

Kultur / 07.10.2015 • 22:13 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Rotterdam. „Wenn du dies nicht ungeöffnet lässt hangen, dann siehst du meine braune Wangen.“ Diese unmissverständliche Warnung hatte ein niederländischer Maler vor knapp 500 Jahren auf sein Bild geschrieben. Für zartbesaitete Seelen ist es tatsächlich nichts. Wer den Deckel öffnet, sieht einen nackten Hintern mit dicken Pusteln. Auf dem gegenüberliegenden Holzstück streckt ein lachender Mann die Zunge heraus. Rund 80 alles andere als heilige Spitzenwerke des 16. Jahrhunderts zeigt das Rotterdamer Museum Boijmans van Beuningen.

Bei Malerei im 16. Jahrhundert denkt man an ernsthafte Porträts mächtiger Fürsten oder Bischöfe sowie an Szenen aus der Bibel. Doch um 1500 fanden Maler eine neue Inspirationsquelle: den Alltag. Statt der Bibel wählten sie Bordelle als Motiv, oder Bauern. Und die stellten sie nicht romantisch, sondern bissig dar. Zwei der größten Pioniere der Alltagsbilder waren Hieronymus Bosch und Pieter Bruegel.