Kostbare Stimmen und 100 Kerzen

Kultur / 07.10.2015 • 22:13 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Stammkünstler und Debütanten formierten sich zum großartigen Jubiläumskonzert. Foto: Schubertiade
Stammkünstler und Debütanten formierten sich zum großartigen Jubiläumskonzert. Foto: Schubertiade

Zu den Schubertiade-Jubiläen kamen auch zahlreiche prominente Gratulanten.

HOHENEMS. Gerd Nachbauer ist ein Mann mit festen Prinzipien, von denen er auch bei besonderen Anlässen nicht abweicht. Und so gibt es denn, wie bei diesem Festival seit Anbeginn üblich, auch beim festlichen Konzert zum Abschluss der heurigen 40. Schubertiade genau am zehnten Jahrestag des ersten Konzertes im Markus-Sittikus-Saal keinerlei Festreden. Die Musik steht im Mittelpunkt. Da ist es dann auch schon egal, dass sich kein Kulturpolitiker des Landes zu diesem Anlass blicken lässt, auch wenn Nachbauer seit Jahrzehnten das Kulturleben und den Kulturtourismus Vorarlbergs auf höchstem Niveau befeuert, ohne Subventionen der öffentlichen Hand in Anspruch zu nehmen.

Aus der ganzen Welt

Sein Publikum jedenfalls steht zu ihm. Menschen aus der ganzen Welt genießen die einzigartigen Konzerte in Schwarzenberg und Hohenems. Zum Jubiläum haben sich prominente langjährige Stammkünstler und Debütanten als Gratulanten eingestellt. Der erste Teil mit ernsten philosophisch-romantischen und religiös verbrämten Dichtungen will noch keine rechte Stimmung im Saal aufkommen lassen. Erst als die biedermeierliche Geselligkeit auch in Tanzliedern zu ihrem Recht kommt, springt der Funke über. Das hat nun schon was, wenn sich gleich neun kostbare Stimmen auf einem Fleck jeweils an den Eckpunkten des Programms zu einem kleinen Chor vereinen, der sich auf der Bühne um den quer gestellten Flügel schart.

Von dort aus werden die beiden Liedbegleiter Helmut Deutsch und Graham Johnson abwechselnd auch zu Kapellmeistern, die das Ganze leiten. Musikalisch und logistisch eine Meisterleistung, das alles zu koordinieren. Das Ensemble splittet sich dann auf in verschiedene kleinere Formationen, die dem Programm Farbe und Abwechslung verleihen. Dabei nehmen sich die Stars dieses Abends zugunsten des Sängernachwuchses bewusst zurück und finden in einem schönen Ensemblegeist zusammen. Mezzo Angelika Kirchschlager, seit 1994 dabei, gefällt im berühmt verschmitzten „Ständchen“ zusammen mit einem Männerquartett, Mojca Erdmann, seit 2008 dabei, trumpft mit ihrem berückenden Sopran in der „Szene im Dom“ aus Goethes „Faust“ als Gretchen auf, gemeinsam mit Bariton Benjamin Appl als bösem Geist samt Chor und Orgel aus dem Off.

Gemeinsam mit der Sopranistin Juliane Banse, seit 1990 dabei, und Mezzo-Debütantin Sophie Rennert ergeben die beiden im „23. Psalm“ ein traumhaftes Damenquartett von überirdischer Schönheit. Bei den Männern lässt der Tiroler Tenor Martin Mitterrutzner als Debütant aufhorchen. Zusammen mit seinem bereits bekannten Stimmkollegen Maximilian Schmitt sowie den beiden Debütanten, dem Südtiroler Andrè Schuen, Bariton, und dem Bayern David Steffens, Bass, bilden sie in „Mondenschein“ ein solides Acappella-Quintett und sind ambitioniert auch an den gemischten Quartetten beteiligt.

Nachbauers Genauigkeit ist auch ein drittes Jubiläum nicht entgangen. Für Liedbegleiter-Legende Helmut Deutsch ist das sein 100. Schubertiade-Auftritt. Mitarbeiterinnen bringen ihm zwei Torten mit je 50 Kerzen – natürlich Schubert-Torten.

Die Schubertiade 2016 beginnt am 4. Mai in Hohenems.