Der lange Weg zum Weg mit dem Gießkannenprinzip

Kultur / 08.10.2015 • 21:04 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Erste konkrete Folgen der Kulturenquete vom Februar 2015 sollen sich Ende Februar 2016 zeigen.  Foto: VN/PS
Erste konkrete Folgen der Kulturenquete vom Februar 2015 sollen sich Ende Februar 2016 zeigen.  Foto: VN/PS

Land entwickelt mit einer Fachgruppe ein Strategiepapier zur Förderungsvergabe.

Christa Dietrich

Bregenz. Ende Februar 2016 wissen wir mehr. Dann liegt die Kulturenquete, für die die Kulturabteilung des Landes alle Kulturveranstalter, Kunstvermittler und mehr oder weniger alle Kulturschaffenden im neuen Feldkircher Montforthaus zusammentrommelte, exakt ein Jahr zurück. Mittlerweile ist zwar eine Publikation zur Veranstaltung erschienen, wer sich nach den Diskussionsrunden und erhobenen Forderungen nach mehr Qualitätsförderung Folgen erwartete, muss sich gedulden. Aber immerhin, nun hat Kulturabteilungsleiter Winfried Nussbaummüller eine Fachgruppe eingesetzt, die ein Strategiepapier erarbeitet, auf dessen Basis dann weitere Entscheidungen getroffen werden.

Die Besetzung ist interessant. Eva Häfele war bereits bei der Enquete mit einem Referat bzw. einem leicht kommentierenden Überblick über das Kulturgeschehen im Land betraut. Die bekannte Sozialwissenschaftlerin engagiert sich unter anderem ehrenamtlich in der wissenschaftlichen Abteilung des Jüdischen Museums in Hohenems und war am Aufbau des Frauenmuseums in Hittisau beteiligt. Thomas Hirtenfelder, das jüngste Mitglied der Gruppe, hat in Konstanz Kulturwissenschaften studiert. Der 30-Jährige war bereits mit der Vorbereitung besagter Enquete befasst und hat maßgeblich an der Publikation mitgearbeitet. Der Historiker Peter Niedermair ist überhaupt einer der Hauptakteure der Enquete, Manfred Hellrigl leitet das Büro für Zukunftsfragen im Amt der Landesregierung, und Barbara Herold war Regisseurin am Vorarlberger Landestheater, bevor sie nun als Protagonistin der sogenannten freien Szene ein eigenes Theaterunternehmen gründete und dafür eigene Texte schreibt. Zuletzt widmete man sich bekannten, meist unterschätzten Österreicherinnen und rückte deren Rollen in der gesellschaftlichen Entwicklung des Landes zurecht.

Zuerst der Befund

Was tut diese Gruppe? Winfried Nussbaummüller holt weiter aus, erinnert, dass es seit 2009 ein überarbeitetes Kulturförderungsgesetz gibt, aber bislang keine entsprechend verschriftlichten Strategien. Der immer wieder geforderte Weg zum Weg mit dem Gießkannenprinzip bleibt ein langer, denn der erste Schritt ist ein Befund, eine „Analyse des Istzustandes“, bei der auch auf bestehende Verbandsstrukturen geachtet wird. In weiteren Schritten werden Fragestellungen zu Themen wie Internationalisierung, Teilhabe oder Interkulturalität und Flexibilität behandelt. Damit die Arbeitsfelder nicht zu abstrakt wirken, sei erläutert, dass sich die Strategiegruppe auch mit der Errichtung von flexiblen Fördertöpfen auseinandersetzt und – so schwierig es scheinen mag – mit der Frage, womit sich die jungen Leute heutzutage beschäftigen bzw. wo die jungen Kreativschaffenden überhaupt bleiben.

Abklärungsrunden

Ein Gespräch mit Vertretern des Tourismus, die in ihrem Strategiepapier beispielsweise die Aspekte Gastfreundschaft, Regionalität und Nachhaltigkeit festgeschrieben haben, hat in dieser Woche stattgefunden, in weiteren Abklärungsrunden wird unter anderem mit Mitgliedern der IG Kultur gesprochen.

Kulturbudget stagniert

Abgesehen davon, dass strategische Maßnahmen in Zusammenarbeit mit Kulturlandesrat Christian Bernhard formuliert werden, zeichnet sich jetzt schon ab, dass das Kulturbudget des Jahres 2016 im Vergleich zu den letzten Jahren nicht mehr ansteigt. Rund 20 Millionen Euro gibt das Land für Kunst und Kultur aus, nur etwa fünf bis sieben Prozent sind frei verfügbar, den Rest schlucken die großen Einrichtungen oder solche, mit denen Förderungsverträge abgeschlossen wurden. Bei den Kulturhäusern (dem Kunsthaus, dem Landestheater und dem Vorarlberg Museum) wird es keine Steigerung geben können, das hält Nussbaummüller jetzt schon fest. Die in den Vorarlberger Nachrichten vor wenigen Tagen dargestellte Depotknappheit werde allerdings ein Thema bleiben müssen. Nussbaummüller: „Keine Frage, da sehe ich ein aktues Feld.“

Darüber hinaus zeichnen sich im kommenden Jahr keine besonderen Schwerpunkte ab, für die zusätzlich Fördermittel bereitgestellt werden müssen. Darüber nachzudenken, welche Art von Großveranstaltungen es überhaupt braucht, ist ebenso Aufgabe der genannten Strategiegruppe, die somit in vier Monaten ihre Vorschläge zur Qualitätsförderung darlegt.

Es geht mir um den Befund. Dabei ist es auch wichtig, die Verbandsstrukturen darzustellen.

Winfried Nussbaummüller

Strategiegruppe

» Eva Häfele, Sozialwissenschaftlerin

» Manfred Hellrigl, Büro für Zukunftsfragen

» Peter Niedermair, Historiker

» Barbara Herold, Regisseurin, Theaterleiterin

» Thomas Hirtenfelder, Kulturwissenschaftler