Rocco Granata trifft Rossini

08.10.2015 • 17:54 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Bei so vielem Gegen-den-Strich-Bürsten soll auch Figaro selbst ganz und gar nicht opernhaft aussehen. Foto: VN/Steurer
Bei so vielem Gegen-den-Strich-Bürsten soll auch Figaro selbst ganz und gar nicht opernhaft aussehen. Foto: VN/Steurer

Das Musiktheater Vorarlberg spielt „Der Barbier von Sevilla“ so, wie man die Oper wohl noch nie gehört hat.

Götzis. (VN-cd) Bislang war Nikolaus Netzer, der frühere Leiter des Festivals „Montafoner Sommer“, erstens dafür bekannt, unübliche Orte für Aufführungen aus dem klassischen Repertoire zu finden, zweitens grub er das eine oder andere (fast) vergessene Werk aus oder konfrontierte mit kaum bekannten Komponisten, und drittens forcierte er bereits als Chef des Musiktheaters Vorarlberg die unkonventionelle Art der Musikvermittlung.

Opernpuristen werden dazu neigen, ihm vorzuwerfen, dass er mit dem „Barbier von Sevilla“ nun den Vogel abgeschossen hat. Wo Rossini draufsteht, ist nämlich nicht durchwegs Rossini drin. Der einstige Chordirektor am Ulmer und Innsbrucker Theater und nunmehrige Musikschuldirektor in Feldkirch will die Dinge allerdings konkret unterschieden haben. Eingriffe in die Arien oder Regieideen, die den Klang grundsätzlich stören, goutiert er nicht, bei humorvollen Einfällen, die die Charaktere der einzelnen Personen dieses amourösen Geschichtchens unterstreichen, darf man weit gehen.

Pink Panther im Friseursalon

Für das diesjährige Projekt, dessen Premiere am Freitagabend stattfindet, hat sich das Musiktheater Vorarlberg die Salzburgerin Magdalena Fuchsberger geholt, die heuer in die Produktion „Hoffmanns Erzählungen“ bei den Bregenzer Festspielen eingebunden war. Nach dem Motto „Rossini nicht Unrecht tun, sondern ihn ins 21. Jahrhundert bringen“, braucht sich das Publikum erst gar nicht mit langwierigen Rezitativen abzufinden, Frank Sinatra, Henry Mancini oder gar Rocco Granata gesellen sich zu Rossini. Pink Panther hat sich also nicht in den Friseursalon verirrt, er soll da hinein dürfen.

Ich wollte Rossini nicht Unrecht tun, aber ihn ins 21. Jahrhundert bringen.

Nikolaus Netzer

Die Premiere von Rossinis „Der Barbier von Sevilla“ findet am 9. Oktober, 19.30 Uhr, Götzis (AMBACH) statt: www.mtvo.at