Abstrakt und doch real

09.10.2015 • 20:36 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Dominik Feistmantl bot eine ausdrucksstarke Performance zu den Arbeiten von Joan Mitchell. Fotos: Rudolf Sagmesiter
Dominik Feistmantl bot eine ausdrucksstarke Performance zu den Arbeiten von Joan Mitchell. Fotos: Rudolf Sagmesiter

„3times Joan“, eine tänzerische Annäherung an eine expressionistische Künstlerin.

Bregenz. Die Vorarlberger Tanzschaffenden Carina Huber, Natalie Fend und Dominik Feistmantl wurden vom Kunsthaus Bregenz eingeladen, sich vom Lebenswerk und der Persönlichkeit Joan Mitchells inspirieren zu lassen und ein Solo zu entwickeln. Ob das Kunsthaus damit rechnete, dass sich dies sehr viele Menschen ansehen wollten, mochte man am Donnerstagabend bezweifeln. Drei Mal Joan war also die Aufgabe, die das Kunsthaus in Kooperation mit netzwerkTanz an die jungen Künstler stellte. Neben der Möglichkeit, die erfahrene Choreografin Brigitte Jagg als Coach hinzuziehen zu können, erhielten die drei Tänzer(innen) damit eine Carte Blanche, um sich als Persönlichkeit zu positionieren und an den räumlichen wie inhaltlichen Anforderungen wachsen zu können. Die jeweilige Herangehensweise an das Thema gestaltete sich unterschiedlich. Carina Huber, in Vorarlberg lebende und arbeitende Künstlerin, widmete sich dem frühen Werk Joan Mitchells. Sie wählte ein Gedicht als Inspiration, das zuerst live von ihr gesprochen, dann eingespielt und schließlich in Loops zu einer Soundinstallation verdichtet war. Huber verharrte und bewegte sich gleichsam im Raum und erkundete ihn vor allem mit Händen und Füßen. Stets nahm sie Bezug zu den Gemälden, veränderte die Dynamik, gab sich zart wie kraftvoll und verkörperte den eigenen suchenden Künstlerinstatus. Mit authentischer Frische vermochte sie es, das Publikum in den Bann zu ziehen und einen Gesamt­rhythmus zu initiieren.

Den zweiten Stock wählte Natalie Fend, die sowohl in Wien als auch in Vorarlberg lebt und österreichweit arbeitet. Beginnend im Dunkeln nahm sie Bezug auf das nächtliche Malen von Joan Mitchell und machte mit dem Rezitieren emotionaler Texte auf die Verletzlichkeit im künstlerischen Schaffensprozess aufmerksam. Die Tänzerin wechselte zwischen Stille, Bewegung und choreografischen Elementen, die zum Schluss mit zunehmendem Tempo an ein maschinelles Produzieren erinnerten. Mit dem bewussten Wechsel zwischen Tanz, Gesang, Text und performativen Elementen hauchte Natalie Fend Joan Mitchell auf organische Art und Weise Leben ein.

Das abschließende Solo im dritten Stock wurde von Dominik Feistmantl präsentiert. Beginnend im Kopfstand zeigte der Tänzer, der unlängst seine Ausbildung in Amsterdam beendete und nun die künstlerische Laufbahn einschlägt, eine Performance, die sich auf minimale, und doch sehr ausdrucksstarke Körperbewegungen beschränkte und Sehgewohnheiten damit auf den Kopf stellte. 

Kontaktaufnahme

Bei seiner Performance fand weniger die Annäherung an die Gemälde als vielmehr eine Kontaktaufnahme zu den Menschen im Raum statt. In den tänzerischen Sequenzen zeigte Dominik Feistmantl eindrücklich, was er gelernt hat. Dennoch fehlte hier der klare Bezug zur Ausstellung und zum Kunsthaus. Etwas, das in den vorhergehenden Stockwerken von den Tänzerinnen präziser dargestellt wurde und das man im dritten Stockwerk in einer Art Schaffenshöhepunkt erwartet hätte. Schlussendlich aber genoss man einen inspirierenden Abend, der mit viel Applaus für die jungen Künstler(innen) belohnt wurde und den Dialog zwischen Tanz und bildender Kunst anregte.

Szene aus der choreographischen Arbeit von Carina Huber.
Szene aus der choreographischen Arbeit von Carina Huber.
Natalie Fend widmete sich dem nächtlichen Malen.
Natalie Fend widmete sich dem nächtlichen Malen.

Die Ausstellung mit Arbeiten von Joan Mitchell ist noch bis 25. Oktober im Kunsthaus Bregenz zu sehen.