Auch ein Kamel kann heimisch werden

Kultur / 09.10.2015 • 20:10 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Für Überraschungen ist die Ausstellung ebenfalls gut, dieses Tier wurde jedenfalls aus Hasengitter gefertigt. Fotos: VN/Steurer
Für Überraschungen ist die Ausstellung ebenfalls gut, dieses Tier wurde jedenfalls aus Hasengitter gefertigt. Fotos: VN/Steurer

Im Werkraum hat man weder Angst vor großen Tieren noch vor großen Aufgaben.

Christa Dietrich

Andelsbuch. Die Stücke müssen in Bregenzerwälder Betrieben gefertigt worden sein, die Gestalter dürfen von überall herkommen. Das sind die Auflagen, die die Ausrufer des Wettbewerbs „Handwerk und Form“, die Leiter des Werkraums Bregenzerwald, den Teilnehmern vorgeben. Ob es nun ein Tisch, eine Bank, ein Sessel, ein Schrank, ein Schuh oder gar ein großes Tier ist – das bleibt den Gestaltern und Handwerkern selbst überlassen.

122 Einreichungen aus 78 Betrieben hatte die Jury beim siebten Durchgang des alle drei Jahre realisierten Wettbewerbs zu sichten, 115 Stücke wurden heuer auch umgesetzt. Imponierend sind jene, die nun in einer Ausstellung zusammengefasst wurden – und damit sind nicht nur die gemeint, die mit Auszeichnungen, Anerkennungen und Belobigungen bedacht wurden.

Werkraum-Geschäftsführerin Renate Breuß berichtet, dass sich das eigentliche Ziel, nämlich die Entwicklung des Handwerks in der Region voranzutreiben, vielerorts schon erfüllt hat bzw. dass die Werkraum-Mitglieder merklich qualitätsbewusst auf kreative Lösungen hinsteuern. Hier wird ja auch nicht nur gewertet, die Juroren (Architektin Ingrid Amann aus München, Architekt André Born aus Bern, Architekt Robert Fabach aus Bregenz, Grafik-Designer Harry Metzler aus Schwarzenberg und die Raumplanerin Angelika Salzmann aus Dornbirn) erläutern die Punktevergabe und stehen auch jedem, der nicht in die Siegerränge kam, Rede und Antwort.

Um es gleich vorwegzunehmen: Jenes Kamel, das nun die Artenvielfalt der Region bereichert und von Peter Figer aus Hasengitter geformt wurde, erhielt eine Belobigung. Bei den Auszeichnungen geht es dann freilich nicht mehr um das Originelle, obwohl die Lederbank, ausgefertigt von Johannes Mohr, ein echter Hingucker ist. Unter den Ausgezeichneten sind zudem die Tischlerei Bereuter, die Tischlerei Mohr mit der Drechslerei Steurer in Andelsbuch und Schwarzenberg, der Fenster- und Türenbetrieb Schwarzmann in Schoppernau, der Möbelhersteller Dür in Alberschwende, Schmidinger-Möbelbau in Schwarzenberg oder die Schuhmacherin Katharina Rüf-Amann aus Alberschwende. Letztere hat die Färbung und Fältelung der Frauentracht raffiniert für den Schuh übernommen.

Ein Erlebnis

Jedem kleinsten Detail sollte beim Ausstellungsrundgang Aufmerksamkeit zukommen. Grundsätzlich hat hier die qualitätsvolle Problemlösung sowie ein überraschender Einfall zu Punkten geführt. Wer kommt schon auf die Idee, einen ungehobelten, für den Außenraum gedachten Tisch mit Füßen aus Bronze zu versehen? Maßstäbe setzt auch ein Sanierungsvorschlag für ein altes Kastenfenster. Während draußen die alte Bausubstanz unangetastet bleibt, freut man sich im Innenraum über durchgezogen glatte Fensterflächen.

Wer nachspürt, was Möbel mit Kunst zu tun haben, wird bereits bei einem einfachen Dreibeinhocker fündig, der ungemein formschön gearbeitet ist. Dass Ausstellungsbesucher in aufgelassene Bräukeller hinabsteigen sowie in Sägen, Schmieden und ehemalige Metzgereien blicken, zählt zum Konzept, das unterstreicht, dass Handwerk auch ein Erlebnis bietet.

Grundsätzliches Ziel des Projekts ist es, die Entwicklung im Handwerk voranzutreiben.

Renate Breuß
Geschäftsführerin Breuß mit handeingezogenen Bürsten.
Geschäftsführerin Breuß mit handeingezogenen Bürsten.
Origineller Filzhausschuh von Marianna Moosbrugger.
Origineller Filzhausschuh von Marianna Moosbrugger.

Die Ausstellung ist in Andelsbuch (Werkraumhaus und historische Werkstätten) bis 18. Oktober, täglich 10 bis 18 Uhr, geöffnet.