So oder so oder wie es gehen kann

09.10.2015 • 17:44 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Oder wie tief man fallen kann. Nicht immer ist die Liebe schuld.

Roman. (pen) „Bankrott“ von Pierre Bost (1901-1975) ist die Geschichte eines Zuckerfabrikantensohns, der seinerseits zum Zuckerfabrikanten wird. Diese Karriere ist ihm in die Wiege gelegt und doch kommt er zu ihr wie die sprichwörtliche Jungfrau zum Kind. Von Anfang an hängt ein Damoklesschwert über Monsieur Brugnon, oder eine Zuckerrübe, wie auch immer. Es ist eine exemplarische Geschichte; eine, die tief im 19. Jahrhundert Anlauf nimmt und mit einem Riesensprung im 20. landet; es ist die Geschichte eines Workaholics, dem die Arbeit ausgeht, der es sich mit der Arbeit und mit der Welt vergeigt.

Brugnon fährt seine Firma an die Wand, weil ihm eine Stenotypistin den Kopf verdreht. Erst als Brugnon vor lauter Liebeskummer mit seiner zu fast jedem Opfer bereiten Seelentrösterin Simone aus Paris an die Loire flüchtet, fällt es ihm wie Schuppen von den Augen. Da ist der Leser allerdings schon längst vorbereitet und eingestimmt auf Brugnons Untergang. Denn das Morbide kommt nicht von der Loire, es kommt aus Brugnons Zahlenwelt und Arbeitswut. Gegen beides ist der Rezensent gewappnet. So mag er auch den seelenkundlichen Exkursen des Buches folgen, ohne sich aus dem Konzept bringen zu lassen. Das ist keine einfache Übung. Wenn sie gelingt, macht sie Freude. Der Verlag legte nach „Ein Sonntag auf dem Lande“ jedenfalls ein zweites Werk des französischen Autors vor.

Pierre Bost: „Bankrott“, Dörlemann Verlag, 253 Seiten