Depp als Wolf im Schafspelz

Kultur / 13.10.2015 • 18:33 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Einmal mehr kaum erkennbar ist Johnny Depp in seiner neuesten Rolle als Charakterdarsteller.  Foto: AP
Einmal mehr kaum erkennbar ist Johnny Depp in seiner neuesten Rolle als Charakterdarsteller. Foto: AP

Im Thriller „Black Mass“ brilliert Schauspieler Johnny Depp als der „Pate von Boston“.

Thriller. Ob Indianerkrieger, Vampir, Wolf oder exzentrischer Pirat: Johnny Depp ist zuletzt oft hinter skurrilen Masken verschwunden. Auch im Mafiakrimi „Black Mass – Der Pate von Boston“ ist der wandlungsfähige Hollywoodstar kaum erkennbar, spielt aber zur Abwechslung mal wieder einen Menschen. Auch wenn Titelfigur James „Whitey“ Bulger auf den ersten Blick wenig menschlich scheint.

Imperium des Bösen

James „Whitey“ Bulger avancierte in den 1970er-Jahren in Boston zu einem der erfolgreichsten Verbrecher der USA. Er brachte es so weit, weil er mit dem FBI zusammengearbeitet hatte. Die Gesetzeshüter nutzten den Gangster als Informanten. Er half, einige Mafiosi auszuschalten. Doch sein Gewinn war größer: Dank der Zusammenarbeit mit den Staatsdienern und dem Wissen über die konkurrierenden Verbrecher konnte Bulger ein überaus profitables Imperium des Bösen etablieren.

Der Kinofilm zum Tatsachenroman „Black Mass: The True Story of an Unholy Alliance Between the FBI and the Irish Mob“ von Dick Lehr und Gerard O’Neill setzt insbesondere auf die Ausstrahlung von Johnny Depp in der Rolle von Bulger. Der Superstar überrascht zunächst mit einer verblüffenden Maske: Schmerbauch und Glatze lassen ihn wie einen dumpfen Durchschnittsspießer aussehen. Er ist kaum zu erkennen.

Wichtiger als die äußere Erscheinung aber ist die Gestaltungskraft, mit der Johnny Depp auftrumpft: mit kleinen gestischen Mitteln, die er scharf konturiert, entwickelt Depp ein nuanciertes Charakterporträt. Dabei denunziert er Bulger nicht eindimensional als brutalen Machtmenschen, sondern lässt verschiedene Facetten des Mannes mit dem sicheren Instinkt für den Erfolg schmutziger Geschäfte aufblitzen.

Regisseur Scott Cooper, selbst erfahren als Schauspieler, hat im Jahr 2009 Jeff Bridges in „Crazy Heart“ zu Oscar-Ehren verholfen. Cooper weiß ganz offenbar, wie er das Beste aus seinen Akteuren herausholen kann. So fehlen in Depps Auftreten dieses Mal alle Marotten und Manierismen, die er als Jack Sparrow bis zum Gehtnichtmehr kultiviert hat. Der Schauspieler agiert erstaunlich verhalten und deshalb besonders eindringlich. Neben Johnny Depp zeigt Joel Edgerton („Zero Dark Thirty“) sein Können. Er verkörpert überzeugend jenen FBI-Agenten, der die Zusammenarbeit mit dem Verbrecher aufbaut und für die eigene Karriere nutzt.

Schlichtweg brillant

Trotz visuellen Aufwands rührt die Spannung des Films „Black Mass“ vor allem von den grandiosen Schauspielern her. Denn die sind durchweg großartig, allen voran Johnny Depp in der Rolle eines Wolfs im Schafspelz.

Wie er das Publikum Szene für Szene in das von Machtgier bestimmte Denken des von ihm verkörperten Gangsters blicken lässt, ist schlichtweg brillant.

Filminfos

» Regie: Scott Cooper

» Hauptdarsteller: Johnny Depp, Joel Edgerton, Dakota Johnson, Benedict Cumberbatch

» läuft ab 15. Oktober im Kino