Möglichst viele einbeziehen

13.10.2015 • 18:33 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

„Bewusster Konsens“ ist nötig, erklärt Kulturhauptstadtexperte Manfred Gaulhofer.

Christa Dietrich

Bregenz. Möglichst viele Menschen im Vorfeld mitreden lassen und sowieso alle Kulturinteressierten und Kulturschaffenden in den Entscheidungsprozess einbeziehen, dazu rät Manfred Gaulhofer. Der österreichische Unternehmer war Geschäftsführer der Kulturhauptstadt Graz 2003 und er saß in den Jahren 2008 bis 2013 in jener EU-Jury, die die Titel zu vergeben hat. Ohne einen bewussten Konsens sei der Weg kaum machbar, erklärt er im Gespräch mit den VN und das heißt nichts anderes, als dass alle Beteiligten bzw. Befürwörter wissen müssen, worauf sie sich einlassen. „Im Verlauf der Vorbereitung wird es sowieso immer wieder Querschüsse und Einwürfe von Menschen geben, die der Meinung sind, dass man für Kultur nicht viel Geld ausgeben soll.“

Variable Kosten

Dabei ist die Summe variabel, die eine Europäische Kulturhauptstadt für das Programm eines Jahres ausgibt. Fixiert ist lediglich, dass die EU 1,5 Millionen Euro beisteuert. Um überhaupt einen Anhaltspunkt zu haben, erklärt Gaulhofer, dass das kleinste Gesamtbudget der vergangenen Jahre zehn Millionen Euro betrug. „Normalerweise zahlt aber auch der Bund mit und Infrastrukturmaßnahmen dürfen sie ja nicht zu den Aufwendungen hinzuzählen.“ In Graz wurden beispielsweise ein Kunsthaus und die Liszthalle errichtet und noch zeitgerecht im Kulturhauptstadtjahr eröffnet. Die Außenwirkung, die der Titel der Stadt gebracht habe und die immer noch nachwirkt, sei phänomenal und das kulturelle Potenzial wieder sichtbar geworden. Wer gerade bei diesem Thema nachhakt, dem wird erklärt, dass sich in der steirischen Landeshauptstadt etwa die Musikszene nach 2003 zum Positiven verändert habe. Ernste, zeitgenössische Musik steht inzwischen viel selbstverständlicher auf dem Programm und finde ihr Publikum.

Städte und Regionen

Bekanntermaßen hat sich in Vorarlberg eine Arbeitsgruppe mit Vertretern der Städte Bregenz, Dornbirn, Hohen­ems und Feldkirch gebildet, die in den nächsten Monaten ein Basispapier zur Entscheidungsfindung vorlegt, ob man sich um den Kulturhauptstadttitel bewirbt, der im Jahr 2024 wieder nach Österreich vergeben wird. Die EU-Jury geht, so Gaulhofer, nach einem Kriterienkatalog vor, nach dem beispielsweise auch die Langzeitwirkung des vorgeschlagenen Programms oder die Einbindung eines möglichst breiten Publikums überprüft werde. Dass sich vier Städte gemeinsam bewerben, sei möglich, allerdings müsse eine Stadt Bannerträger sein. Ein Konzept zu entwickeln, das die Zusammenarbeit über Staatsgrenzen hinweg vorsieht, sei ebenfalls kein Nachteil. Ein positives Beispiel eines solchen Unterfangens hätte die nordfranzösische Stadt Lille im Jahr 2004 geliefert, die sich auch mit Orten in Belgien zusammenschloss. Die Regionen grundsätzlich einzubeziehen, sei ohnehin schon fast üblich. Marseille suchte im Jahr 2013 bekanntermaßen in der Provence einige Partner. Im Ruhrgebiet, das 2010 eine gute Performance hinlegte, wurde Essen, wie man weiß, an sich „nur“ vorgeschoben, weil es eine Stadt braucht.

Interesse in Österreich

Im Jahr 2018 müssten die Vorarlberger Städte ihre Bewerbung einreichen. Konkrete Mitbewerber sind bislang nicht genannt, Gaulhofer weiß aber, dass sich in Kärnten, etwa in Städten an den Seen oder in Eisenstadt durchaus Interesse regt, aber auch erneut in der Steiermark.

Die EU legt 1,5 Millionen Euro hin. Das kleinste Gesamtbudget einer Stadt betrug bisher zehn Millionen.

Manfred Gaulhofer

Diskussion – „Kulturhauptstadt“ am 16. Oktober, 17 Uhr, mit Manfred Gaulhofer und Tourismusexperten, Vorarlberg Museum