Das schon totgesagte Buch feiert ein kleines Comeback

Kultur / 14.10.2015 • 21:01 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Kochbücher liegen im Trend, das zeigt sich auch an den Ständen des diesjährigen Gastlandes Indonesien. Foto: EPA
Kochbücher liegen im Trend, das zeigt sich auch an den Ständen des diesjährigen Gastlandes Indonesien. Foto: EPA

Auf der weltgrößten Buchmesse werden auch die Trends diskutiert.

Frankfurt/Main. Die Prognosen waren vernichtend: In den USA hatten Experten vor fünf Jahren prophezeit, dass 2015 das E-Book am gedruckten Buch vorbeiziehen werde. Doch weit gefehlt: In den USA hat sich der E-Book-Umsatz bei etwa 20 Prozent eingependelt, in Deutschland sind es etwas mehr als fünf Prozent. Wie es mit der Digitalisierung weitergeht, gehört zu den großen Themen auf der Frankfurter Buchmesse. Fest steht, dass das schon totgesagte alte Buch gerade ein kleines Comeback feiert. In Deutschland hat sich erneut der stationäre Buchhandel besser entwickelt als der von Amazon beherrschte Internethandel.

Das Zauberwort in Deutschlands Buchhandel heißt „Multi-Channel“: Die stationären Läden sollen mit dem Onlinegeschäft eng verknüpft werden. Dafür haben sich Deutschlands führende Buchhändler, die eigentlich scharf miteinander konkurrieren, vor zweieinhalb Jahren verbündet. In Kooperation mit der Telekom wurde das E-Book-Gerät Tolino auf den Markt gebracht. Dem US-Konzern Amazon, der mit seinem Reader Kindle den angelsächsischen Markt beherrscht, sollte in Deutschland nicht kampflos das Feld überlassen werden. Was wenige geglaubt haben: Tolino ist tatsächlich ein Renner geworden. Nach der Zahl der heruntergeladenen Bücher ist das Lesegerät inzwischen am Kindle vorbeigezogen.

Glücklich mit Kochbüchern

Weltweit wächst der Markt für Kochbücher. „Kochbücher helfen dabei, sich zu Hause glücklich zu fühlen“, sagte der französische Experte Edouard Cointreau. Am kulinarischen Firmament seien ganz neue Länder wie etwa Peru erschienen. Vor Rezepten im Internet warnte er: „Viele Rezepte funktionieren dort nicht.“ Die Buchmesse hat mithilfe von Cointreau, der in Paris eine Kochbuchmesse gründete, ihre „Gourmet Gallery“ stark ausgebaut. 83 Prozent der Deutschen lesen Bücher. Die Zahl ist damit innerhalb von sieben Jahren um sieben Prozentpunkte zurückgegangen. Dies geht aus einer Untersuchung des Börsenvereins hervor. Die Zahl der Buchkäufer stieg dagegen im genannten Zeitraum laut der repräsentativen Studie leicht von 57 auf 59 Prozent. Lesen ist eindeutig eine Domäne der Frauen: 63 Prozent haben im letzten Jahr mindestens ein Buch gekauft, aber nur 54 Prozent der Männer. Gelesen wird zu 79 Prozent zur Unterhaltung. „Ohne Bücher möchte ich nicht leben“: Dieser Aussage stimmte jeder Zweite zu.

Auf der Buchmesse sind bis
18. Oktober mehr als 7000 Aussteller aus rund 100 Ländern vertreten.