„Ein Galerist muss auch ein Missionar sein“

Kultur / 14.10.2015 • 21:01 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Kurt Prantl: „Man will den Künstler zum Werk kennen.“ Foto: VN/PS
Kurt Prantl: „Man will den Künstler zum Werk kennen.“ Foto: VN/PS

Wenn Mack in New York und Wotruba in Dornbirn zu sehen sind, liegt das auch an Kurt Prantl.

Dornbirn. (jal) Als Kurt Prantl von der Leidenschaft für die Kunst gepackt wurde, hätte die Wahrnehmung und der Umgang mit selbiger wohl nicht verschiedener zu heute sein können. Bei der Eröffnung der ersten Ausstellung in der Neufeld Galerie in Lustenau, Mitte der 1960er-Jahre, erschien vieles, das heute selbstverständlich ist, als unverständlich und absurd. Was eine Galerie ist und tut, war den meisten schleierhaft, und auch zwei der bedeutendsten österreichischen Künstler des 20. Jahrhunderts, Herbert Albrecht und Hubert Berchtold, gehörten damals zur Avantgarde. „Zur Eröffnung kamen nur sieben Personen und die Kommentare waren mitunter alles andere als positiv“, erzählt Kurt Prantl.

Erfahrungen sammeln

In den über 50 Jahren, die seitdem vergangen sind, hat sich sowohl in der Kunstwelt als auch im Leben von Kurt Prantl einiges getan. Mit der Entscheidung, in den 1980er-Jahren nach Liechtenstein zu gehen, etwa in die Galerie am Lindenplatz in Schaan, konnte Prantl wichtige Erfahrungen sammeln und Kontakte knüpfen. „Der Entschluss ist mir damals keineswegs leicht gefallen, aber Vorarlberg war einfach noch sehr regional orientiert, und Liechtenstein und die Schweiz blickten auf eine lange Tradition der Kunstsammlung zurück.“ Die Gründe dafür sieht er vor allem in den Nachwehen des Zweiten Weltkriegs, von denen Liechtenstein und die Schweiz ja deutlich weniger betroffen waren als Vorarlberg.

Wotruba und die Folgen

Wenn die Galerie c.Art in Dornbirn am kommenden Samstag, 17. Oktober, eine Gruppenausstellung mit einigen der bedeutendsten österreichischen Bildhauern des 20. Jahrhunderts eröffnet, Fritz Wotruba, Joannis Avramidis, Herbert Albrecht und Josef Pillhofer, könnte die Diskrepanz zu den Anfängen also nicht größer sein. Dass man in all den Jahren nie irgendwelchen Hypes erlegen ist, führt Prantl auf die eingehende Auseinandersetzung mit der Kunst und dem Künstler zurück, um herauszufinden, ob das Gesamtwerk in die Programmatik der seit 1998 bestehenden Galerie c.Art (contemporary Art), die von seiner Tochter Belinda und Johannes Boch geführt wird, passt. Daraus sind Kooperationen entstanden, die auf einer starken Vertrauensbasis basieren und teilweise schon seit über 30 Jahren bestehen.

Eine dieser langjährigen Kooperationen ist jene mit Gottfried Honegger. Der mittlerweile 98-jährige Schweizer gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der konkret-konstruktivistischen Kunst und wurde kürzlich mit einer Retrospektive im Pariser Centre Pompidou geehrt. „Dort eine Ausstellung zu bekommen, ist etwas ganz Besonderes“, betont Prantl. Auch Heinz Mack, Mitbegründer der Zero-Bewegung, wurde von Prantl schon vor über zwanzig Jahren in Vorarlberg ausgestellt. Nun sind Macks Werke noch bis 7. Jänner im New Yorker Guggenheim Museum und anschließend im Martin Gropius Bau in Berlin zu sehen.

Auf Basis der langjährigen Erfahrung kann auch auf geänderte Bedürfnisse der Kunst­interessierten reagiert werden: „Der neuen Generation reicht es nicht mehr, irgendein Bild zu kaufen. Man will den Künstler zum Kunstwerk kennen und sich mit ihm auseinandersetzen.“

Zur Person

Kurt Prantl

Geboren: 1942 in Bregenz

Familie: verheiratet, 2 Töchter

Karriere: Neufeld Galerie und Verlag in Lustenau; 1982: Wechsel zur Galerie Haas, Vaduz; Art & Edition Haas, Galerie am Lindenplatz in Schaan und Vaduz, Sachverständiger für Kunst, seit 1964 etwa 250 Ausstellungen, rund 25 Monografien sowie Themenbücher und rund 80 begleitende Kataloge zu Ausstellungen.

Ausstellung „Wotruba und danach“ vom 17. Oktober bis
5. Dezember in der Galerie c.art in Dornbirn (Marktstraße 45).