Klingt eher verkopft, wird aber bestens verstanden

15.10.2015 • 18:23 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Bei „Look at me now and here I am“ wird auch das Publikum zum Porträtisten. Foto: Mosman
Bei „Look at me now and here I am“ wird auch das Publikum zum Porträtisten. Foto: Mosman

Das Walktanztheater widmet sich Gertrude Stein mit den Methoden, die die Dichterin selbst anwandte.

Feldkirch. (VN-cd) Gertrude Stein (1874-1946) zählt zu den großen Vertretern der experimentellen Literatur. Während ihres Aufenthaltes in Paris, wo sie sich mit dem Ankauf von Gemälden der damals noch kaum bekannten späteren Heroen als wichtige Mäzenin erwies, hatte Pablo Picasso sie gemalt. Die Schriftstellerin porträtierte den Künstler in einem Gedicht, wies ihn sogar in die Schranken. Besucher einer Aufführung des Nederlands Dans Theater in Bregenz werden die choreografische Umsetzung dieser Künstlerbegegnung noch gut in Erinnerung haben. So wie Brigitte Walk.

Die Theatermacherin, die das Farbspektrum der Vorarlberger Szene seit längerer Zeit bereichert, hat sich bereits vor Jahrzehnten mit Gertrude Stein beschäftigt. Damals las man eine Nacht durch. Bei „Look at me now and here I am“ handelt es sich um ein Dichterinnenporträt, für das jenes Verfahren angewendet wird, das sich Stein selbst zu eigen machte, wobei konsequenterweise die subjektive Sicht der heutigen Akteure, also der Regisseurin Franziska Henschel, des Dramaturgen Benjamin van Bebber, der Ausstatterin Katharina Pia Schütz, der Choreografin Anne Thaeter und Brigitte Walk selbst zum Ausdruck kommt. Im Grunde genommen geht es um Annäherung und Aneignung in Sprache, Tanz, Bild und Ausdruck, die zu subjektiver Ergänzung auffordern. Was manchem verkopft erscheinen mag, wurde interessanterweise von jungen Besuchern bereits gut aufgenommen. Nachdem Brigitte Walk mehrere Male mit Jugendlichen gemeinsam Theaterproduktionen umgesetzt hat, zieht das Unternehmen längst die Aufmerksamkeit von Pädagogen auf sich. Zur Hauptprobe war eine Klasse des Polytechnischen Lehrgangs eingeladen. Walk: „Die Arbeit mit Jugendlichen ist auch eine Form von Sprache. Mir ging es nie darum, die Jugendlichen zu pädagogisieren, sondern herauszufinden, wie etwas läuft, wenn man es mit ihnen umsetzt.“ 

Zwei Projekte im Jahr

Wenn man Jugendliche an einer Produktion teilhaben lässt, dann profitieren die Theatermacher offenbar vom unverstellten Blick. Walk: „Was die jungen Leute sehen, das tut uns gut.“ Weitere Schulklassen haben sich übrigens bereits angemeldet; und zur Zukunft des Unternehmens Walktanztheater sei gesagt, dass weiterhin mindestens zwei Projekte im Jahr realisiert werden, meistens eines davon mit Schülern.

Den unverstellten Blick junger Menschen zu erfahren, tut uns gut.

Brigitte Walk

Premiere am 17. Oktober, 20 Uhr, im Alten Hallenbad in Feldkirch. Aufführungen bis 24. Oktober