Achterbahnfahrt in Pink

16.10.2015 • 20:32 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die neue Produktion von Silvia Salzmann wurde gestern Abend uraufgeführt. Foto: Doris Salzmann
Die neue Produktion von Silvia Salzmann wurde gestern Abend uraufgeführt. Foto: Doris Salzmann

Silvia Salzmann lädt in „still afraid“ zum medienübergreifenden Projekt zur Angst.

Lauterach. Einen offenen und großen Raum mit Geschichte wählt die Vorarlberger Tänzerin Silvia Salzmann für die Uraufführung des Tanztheaters „still afraid“: die Alte Seifenfabrik Lauterach. Gemeinsam mit dem urbanen Tänzer Thomas Geismayr und der Mediendesignerin Sarah Mistura verwandelt sie die ehemalige Produktionsstätte in einen Schau- und Spielplatz rund um die Thematik Angst.

Der künstlerische Austausch sei ihr besonders wichtig, verlautbaren die sehr persönlichen Texte um den Prozess der gemeinsamen Arbeit. Das ist spürbar. Mit Videos, Fotografien, Performance, Musik, Text und Tanz begegnen sich die Stile und deren Protagonistinnen ständig wechselnd auf Augenhöhe. Das Vorhaben, Grenzen aufzuheben und zu verbinden, geht auf.

Kraftvoll verbunden

Das Publikum wird gleich zu Beginn mit spielerischen Elementen und visuellen Anreizen dazu motiviert, sich einzulassen auf eine Thematik, die gern in der Geheimschublade des Intimsten versteckt wird. Angst – wer spricht schon gern darüber? Silvia Salzmann, so sagt sie selbst, tut dies seit der Arbeit für „still afraid“ immer lieber. Da wird eine Freude bei ihr spürbar, die irritieren könnte.

Ob Angst und Freude eine Partnerschaft eingehen können? Was sich im Duo, im Trio oder in anderen Formen des gemeinsamen Performens ausdrücken kann, wird am Premierenabend nur zu deutlich. Wenn Silvia Salzmann und Thomas Geismayr auch erst einmal solistisch zeigen, welche Tanzform die ihre ist, so finden sie in ihrem Pas de deux des zeitgemäßen Tanzes eine hohe Ausdruckskraft und verbinden sich in ihrer Suche nach Halt und Kraft.

Sie kämpfen miteinander, beklettern gemeinsam eine unbesteigbare Wand und ergründen den Raum auch jenseits des Tanzteppichs. Begleitet werden sie von den Videoprojektionen Sarah Misturas, die Textfragmente, Bilderfolgen und Videos auf gleich zwei Projektionsflächen originell arrangiert und Angst auch einmal mit einer farblich explodierenden Achterbahnfahrt erlebbar macht. Die Live-Percussion von Marcel Holzer, der einen Grundrhythmus vorgibt und ihn je nach Szene sehr sensibel verstärken oder verstummen lässt sowie Florian Kollers kräftige Stimme ergänzen und lenken Tanz und Bild.

Familiäre Poesie

Wie gut projizierte und live dargebotene Szenen miteinander harmonieren können, auch das zeigt dieses Ensemble. Spätestens bei Salzmanns Großmutter, die auf der Leinwand mit ihrer Mimik unendlich viel auszudrücken vermag und ihre Enkelin tröstend in den Arm nimmt, wird das Stück leise und poetisch.

Das wiederholt sich, wenn der erst zwölfjährige Myron Olev seinen Breakdance auf eine für sein Alter und den Tanzstil ungewöhnlich bedachte und feine Art und Weise interpretiert und einen Bogen über die Generationen spannt. Besonders bei ihrer eigenen Performance wird sichtbar, wie sehr Silvia Salzmann am Thema gelegen ist. Vielleicht hätte sie aber noch einen Hauch mehr graben können und sich einlassen auf den lähmenden Faktor, den Angst eben auch auslösen kann.

Das Stück macht neugierig auf die dunklen Flecken, die so selten beleuchtet werden, und auf das, was es noch zu entdecken gäbe. Diese Reise bleibt ganz den Zuschauenden überlassen, diese Eindrücke dürfen sie selbst mitnehmen. So wie die Erinnerung an all die zerplatzten, bunt schillernden Seifenblasen im Raum.

Weitere Termine: 17. Oktober,
20 Uhr in der Alten Seifenfabrik Lauterach, 23. und 24. Jänner 2016
im TIK Dornbirn