Ein Prozess, um fit zu bleiben

16.10.2015 • 20:42 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Gestern Abend am Podium zum Thema Kulturhauptstadt: Manfred Gaulhofer (Graz 03), Georg Steiner (Linz’09), Robert Kaspar (FH Kufstein), Sozialwissenschaftlerin Eva Häfele und Christoph Thoma (Bregenz Tourismus). Fotos: VN/Hofmeister
Gestern Abend am Podium zum Thema Kulturhauptstadt: Manfred Gaulhofer (Graz 03), Georg Steiner (Linz’09), Robert Kaspar (FH Kufstein), Sozialwissenschaftlerin Eva Häfele und Christoph Thoma (Bregenz Tourismus). Fotos: VN/Hofmeister

Schon die erste Kulturhauptstadt-Diskussion zeigte, dass die Außenwahrnehmung einer Korrektur bedarf.

Bregenz. (VN-cd) Sind es wirklich nur die Festspiele? Georg Steiner, Mitglied im Leitungsteam von „Linz 09“ fällt beim Stichwort Kultur in Vorarlberg jedenfalls nur oder fast nur das Musiktheaterunternehmen am Bodenseeufer ein. Studenten bzw. angehende Wohnraumplaner, die sich mit Regionen in Österreich beschäftigten, denen im Jahr 2024 der Titel „Europäische Kulturhauptstadt“ zufallen könnte, orten ein anderes Defizit und schlagen vor, die Ortschaften im Rheintal bis über die Staatsgrenzen hinweg besser zu vernetzen, und in den Zuhörerreihen beschäftigt man sich – so die Wortmeldungen – nicht so sehr mit den vom Bregenzer Bürgermeister Markus Linhart vorgegebenen Fragen, ob wir das schaffen können, ob wir eine Kulturhauptstadt wollen oder ob wir sie brauchen, sondern ob wir sie uns leisten können.

Die Geldfrage

Bevor eine Zuruferin aus dem Auditorium dafür plädierte, den Pragmatismus beiseite zu legen und nicht immer zu fragen, was man wofür bekommt, deckte man gestern Abend am Podium im Vorarlberg Museum dann doch noch einige Zahlen auf. Etwa fünf Millionen Euro habe die diesjährige Kulturhauptstadt Mons aufgewendet, etwa 100.000 Euro waren es 2013 in Marseille, wenn man sich beispielsweise bei 30 Millionen einpendle, dann sei diese Summe über zehn Jahre zu sehen und auf mehrere Töpfe zu verteilen. Vom Bund kam, so Bürgermeister Linhart, eine Zusage zu einer Drittelfinanzierung. Linhart: „Für eine Plakette bin ich sicher nicht bereit, Geld auszugeben, aber für Projekte, die man für wichtig erachtet.“ Der gestartete Prozess, der zu einer Bewerbung führt oder eben zu einer Absage, koste nicht viel, bringe aber viel in Bewegung, zeigte sich Christoph Thoma überzeugt, der als Geschäftsführer von Bregenz Tourismus neben den Kulturamtsleitern von Dornbirn, Hohenems und Feldkirch eine Arbeitsgruppe bildet, die bereits begonnen hat, Fakten für eine Entscheidungsfindung zu sammeln. Vertreter aus dem Bregenzerwald werden demnächst hinzustoßen, und dass aus Lindau wie aus St. Gallen positive Signale kommen, zeigte sich auch gestern. Die Ostschweizer, die einer Expo im Jahr 2027 entgegensteuern, sehen in einer Kulturhauptstadt 2024 eine „einmalige Chance“.

Die Sozialwissenschaftlerin Eva Häfele, die unter anderem auf die Möglichkeit der Partizipation jener Bevölkerungsgruppen verwies, die noch nicht am Kulturangebot teilhaben, erwartet sich vom Prozess auch Anhaltspunkte zu Fragen nach Aspekten, die wichtig sind, um in Zukunft anpassungsfähig und fit zu bleiben. Vergleichbares führt auch Manfred Gaulhofer, der einstige Leiter von „Graz 03“ und ein langjähriges Jury-Mitglied in der EU, ins Treffen, der anführte, dass die Image-Frage nicht in den Vordergrund rücken darf. Es gehe vielmehr um die längerfristige Wirkung.

Nachvollziehbar ist für Bürgermeister Linhart die „konstruktiv kritische“ Haltung des Kulturbeirates des Landes. Dass die Idee Kulturhauptstadt ein Fundament in den Gemeinden haben müsse, stehe fest. „Wenn wir es wollen, hätte ich gewisse Zuversicht.“

Vom Bund gibt es ein grundsätzliches Okay. Wenn wir es wollen, hätte ich gewisse Zuversicht.

Bgm. Markus Linhart
Die Ausstellung bleibt bis 26. Oktober im Vorarlberg Museum.
Die Ausstellung bleibt bis 26. Oktober im Vorarlberg Museum.