Nur noch der Schatten einer Weltsammlung

16.10.2015 • 20:32 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Judaskuss nach Jost Amman, 16. Jahrhundert. Foto: Albertina
Judaskuss nach Jost Amman, 16. Jahrhundert. Foto: Albertina

Einen kleinen Teil der einst über 800 Werke zählenden Arthur-Feldmann-Sammlung zeigt nun die Albertina.

Wien. (jal) Die Sammlung, eine der bedeutendsten Kunstsammlungen der Zwischenkriegszeit, ist heute nur noch in Fragmenten erhalten. Die Enteignung des einst in Brünn ansässigen Rechtsanwalts nach der nationalsozialistischen Machtübernahme in Böhmen und Mähren ist der Hauptgrund, die Wirren des Zweiten Weltkriegs trugen noch einmal das Ihrige zur Dekonzentration der über 800 Werke, darunter Blätter von Dürer, Rembrandt, Carracci und Lorrain, bei. Nun zeigt die Albertina 30 Exponate dieser einst so umfangreichen Kollektion. „Es ist der Schatten einer Weltsammlung“, so Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder.

Schwierige Restitution

Das Ehepaar Feldmann erlebte das Ende des Krieges nicht. Während Arthur kurz nach seiner Verhaftung starb, wurde seine Frau Gisela 1944 in Auschwitz ermordet. Die beiden Söhne konnten unter schwierigsten Umständen nach Palästina flüchten. Erst Uri Peled Feldmann, der Enkel des Kunstsammlers, konnte sich in vollem Umfang dem Aufspüren der in die ganze Welt verstreuten Werke widmen. Welchen Schwierigkeiten er bei der Rückforderung der Zeichnungen zu bewältigen hatte, kann man nur erahnen. Bis heute konnten lediglich 209 Zeichnungen restituiert werden, der Verbleib der anderen ist nach wie vor unbekannt. Eine dieser Zeichnungen, die aus dem 16. Jahrhundert stammende „Landschaft mitFelsblock“, musste 2008 von der Albertina selbst an Uri Peled Feldmann zurückgegeben werden.

Eines der maßgeblichen Beweismittel für die Feststellung, ob bestimmte Bilder zur Sammlung Feldmann gehören, ist ein 1934 erstellter Katalog für eine Auktion in Luzern. Dort wollte Arthur Feldmann 231 seiner Werke veräußern. Nur ein Bruchteil wurde verkauft, jedoch wurden alle Arbeiten akribisch katalogisiert und beschrieben.

Große Dankbarkeit

Umso bemerkenswerter ist es, dass Uri Peled Feldmann der Albertina nun 30 Zeichnungen überlassen hat. Mit der nun in den Prunkräumen der Albertina laufenden Ausstellung „Spurensuche“ wolle man die Dankbarkeit über das großzügige Geschenk zum Ausdruck bringen, gibt Klaus Albrecht Schröder zu verstehen. Es sei eine moralische Verpflichtung, die Bedeutung von Arthur Feldmann und das ihm widerfahrene Unrecht einer breiten Öffentlichkeit ins Bewusstsein zu rufen. „Wir können nichts wiedergutmachen, aber daran erinnern.“

Gerade das Steigern des Bekanntheitsgrades von Arthur Feldmann durch die Ausstellung und die begleitende Publikation kann dazu beitragen Museen und Sammler aus aller Welt auf die Werke aufmerksam zu machen. Nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass alle Zeichnungen von Feldmann persönlich auf der Rückseite als zu seiner Sammlung gehörend gekennzeichnet wurden.

Wir können nichts wiedergutmachen, aber daran erinnern.

Klaus Albrecht Schröder

Die Ausstellung „Spurensuche“ ist bis 29. November in der Albertina zu besichtigen: www. albertina.at