Christa Dietrich

Kommentar

Christa Dietrich

Ein Event ist ein Event ist ein . . .

Kultur / 18.10.2015 • 20:47 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

„Rose is a rose is a rose is a rose . . .“, so viel kriegt jeder zusammen, wenn der Name Gertrude Stein fällt. Ohne Klick ins Netz ist den meisten auch die Funktion der Schriftstellerin als Mäzenin geläufig, die sie im frühen 20. Jahrhundert in Paris ausübte, als sie mit Pablo Picasso in Kontakt kam. Sein Porträt der berühmten Pionierin experimenteller Literatur kam ins Metropolitan Museum of Art, ihre Schriften zählen sozusagen zum Kanon der Literatur.

In Österreich ist das von besonderem Belang, weil sie gelegentlich als Vorläuferin von Ernst Jandl oder Thomas Bernhard zitiert wird. Derlei Aspekte – oder gar Steins Verstrickung in antisemitische Strömungen – zu hinterfragen, war den Machern der neuen Produktion des Walktanztheaters in Feldkirch allerdings kein Anliegen. Das muss es nicht zwingend sein.

 

Nach dem Besuch der Aufführung „Look at me now and here I am“ einer Kommentierung vor der Rezension den Vorzug zu geben, hat nun aber damit zu tun, dass es eher die Nebengeräusche sind, die im Vordergrund stehen. Das Projekt, dessen Leiter zweifellos ein wenig von „Shutters Shut“, einer Choreografie von Paul Lightfoot und Sol León für das Nederlands Dans Theater, motiviert waren, mäandert zwischen der szenischen Lesung weniger Sätze und einer Performance, bei der in 15 von 45 Minuten nichts anderes passiert, als dass der Besucher aufgefordert ist, die drei auf Stühlen sitzenden, aber als Tänzer adjustierten Darsteller auf einem bereitgestellten Zeichenblock zu porträtieren. Und so strichelt ein Teil des Publikums, das am Samstagabend so zahlreich ins Feldkircher Hallenbad gekommen war, wie es Plätze gab, vor sich hin, während andere wiederum ins Leere blicken. Oder in die versteinerten Gesichter der Akteure, die Steins monotone Tonband-Stimme gelegentlich mit ein paar Grauschattierungen aufhellen. Aktionen wie das Öffnen der Türen ins Freie sind weniger erwähnenswert als die Aussage eines Mitspielers im Vorfeld.

Er habe auch nach vielen Probenwochen nicht verstanden, worum es überhaupt gehe, erklärte der Mitwirkende vor laufender ORF-Kamera. Chapeau! Nachdem niemand glaubt, dass Naivität plötzlich eine Künstlertugend ist, war es eine tolle Werbung. Ein Event ist ein Event ist ein Event . . . Das weiß Theatermacherin Brigitte Walk, die in den letzten Jahren großartige Projekte realisierte und die auch eines, das sich eher wie ein Schatten der vorherigen ausnimmt, zum besuchenswerten Erlebnis macht.

Nachdem niemand glaubt, dass Naivität plötzlich eine Künstlertugend ist, war es eine tolle Werbung.

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