Irrsinn nicht akzeptieren

Kultur / 18.10.2015 • 20:47 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Kermani: Die Frage, wie die Politik in Deutschland die Katastrophe befördert hat, gehört dazu. Foto: EPA
Kermani: Die Frage, wie die Politik in Deutschland die Katastrophe befördert hat, gehört dazu. Foto: EPA

Der neue Friedenspreisträger Navid Kermani appelliert eindringlich, den Krieg in Syrien und im Irak zu beenden.

Frankfurt/Main. Dazu seien weit entschlossenere diplomatische und möglicherweise auch militärische Schritte notwendig, sagte der 47-jährige Orientalist am Sonntagmittag in der Frankfurter Paulskirche vor fast 1000 Besuchern. Dort nahm der Schriftsteller den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels entgegen.

Ursachendebatte gefordert

„Erst wenn unsere Gesellschaften den Irrsinn nicht länger akzeptieren, werden sich auch die Regierungen bewegen“, sagte Kermani, der als Sohn iranischer Einwanderer in Siegen geboren ist und heute in Köln lebt. Der Krieg könne nur von den Mächten beendet werden, die hinter den befeindeten Armeen und Milizen stehen. Dazu gehörten der Iran, die Türkei, die Golfstaaten, Russland und der Westen. Er forderte eine Debatte über die Ursachen des Terrors und der Fluchtbewegung. Dazu gehöre auch die Frage, wie die Politik in Deutschland die Katastrophe vor unseren Grenzen befördert hat. Mit dem Friedenspreis ehrt der deutsche Buchhandel Persönlichkeiten, die sich für Völkerverständigung und Menschlichkeit einsetzen. 2013 ging er an die weißrussische Schriftstellerin Swetlana Alexijewitsch, die heuer den Literaturnobelpreis bekommen hat. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, gratulierte Kermani. Er habe diesen Weg des unermüdlichen Einsatzes zur Versöhnung der Kulturen in seinem Schaffen aufbereitet. Die Verleihung sei auch Ausdruck eines Deutschlands der neuen Vielfalt.