Kein Mangel an Anspielungen und am Spiel

Kultur / 18.10.2015 • 20:47 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Patricia Nessy als Aldonza und Robert Meyer als Don Quixote.
Patricia Nessy als Aldonza und Robert Meyer als Don Quixote.

Eine Solo für den Chef und eine Erinnerung an ein einst vieldiskutiertes Stück.

Wien. Heiner Müller schrieb „Die Hamletmaschine“ 1977, als Wende, Mauerfall, der Siegeszug des Kapitalismus und der aufkommende Zweifel daran in weiter Ferne waren. Insofern scheint es folgerichtig, dass die 1988 geborene Regisseurin Christina Tscharyiski ihre Inszenierung im Museum ansiedelt.  Bühnenbildnerin Sarah Sassen hat für die Produktion – eine der wenigen Premieren in dieser Spielzeit am Burgtheater – das Vestibül in einen dunkelgrünen Saal verwandelt. Hier verstauben Artefakte wie der Teil einer glänzenden Rüstung, hier liegt auch sonst manches im Argen: Eine Vitrine ist leer, in der Rückwand prangt ein Loch. Erst der junge Hamlet (Christoph Radakovits) schafft’s, die Trophäe an die Wand zu wuchten, die mehr einem Auerochsen als dem Stier, der einst Europa entführte, gleicht. Dass die Sorgfalt, die er beim Transport einer kleinen geschnitzten Skulptur aufwendet, vom alten Hamlet (Ignaz Kirchner) – uuups! – gleich wieder zunichte gemacht wird, ist einer der Kollateralschäden, die in Geschichte und Kultur Europas eben immer wieder vorkommen. Man sieht: An Anspielungen mangelt es nicht. An Klarheit jedoch sehr wohl.

Heiner Müller vereinte sprachliche, gedankliche und politische Schärfe. Seine Stücke, in den 1980er-Jahren viel gespielt, zwingen zum Hinhören und Mitdenken. Sie sind Herausforderung, nicht Anbiederung. Seine Texte sind an den Theatern rar geworden. Umso größer wäre die Chance, sie neu zur Diskussion zu stellen.

Zwischen Komik und Tragik

Solo für Impresario Robert Meyer: Bei der Musicalpremiere „Der Mann von La Mancha“ machte der Volksopernchef am Samstag als Ritter von der traurigen Gestalt eine äußerst gute Figur. Scheinbar mühelos wandelte Meyer in der Titelrolle auf dem schmalen Grat zwischen Komik und Tragik und verlieh der minimalistischen Inszenierung von Olivier Tambosi das menschlich-warme Antlitz. Schließlich hält Opernexperte Tambosi sein Musicaldebüt eher dunkel, betont die Kälte des Gefängnisses, in welchem Dichter Cervantes auf seine Vorladung zur Inquisition wartet, während er mit Mithäftlingen sein Manuskript „Don Quixote“ spielt, um es vor der Zerstörung zu retten.

Marie-Luise Stockinger in Heiner Müllers „Die Hamletmaschine“ am Burgtheater. Fotos: APA
Marie-Luise Stockinger in Heiner Müllers „Die Hamletmaschine“ am Burgtheater. Fotos: APA

Nächster Mann von La Mancha“am 23. Oktober: www.volksoper.at „Hamletmaschine“ ab 24. Oktober: www.burgtheater.at