Bach bleibt doch der Größte

20.10.2015 • 19:20 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Bruno Oberhammer an der Orgel in Höchst. Foto: JU
Bruno Oberhammer an der Orgel in Höchst. Foto: JU

Organist Bruno Oberhammer öffnet bei „Bachs Wege“ ver­blüffende Einblicke.

HÖCHST. (JU) Bach ist seine Welt als Organist. So kann Bruno Oberhammer auch nach Abschluss seines monumentalen Zyklus’ mit der Gesamtaufführung aller Orgelwerke nicht von ihm lassen. Mit „Bachs Wege“ hat er im Vorjahr in der Pfarrkirche eine Nachfolgereihe gestartet, die verblüffende Wechselbeziehungen des Komponisten zu seinen Vorgängern und Nachfolgern aufzeigt.

So weit wie beim vierten Abend am Montag hat sich Oberhammer aber bislang noch nie vom Zentrum Bach entfernt.

Mit den drei „großen B“: Buxtehude, Bach und Brahms verweist er auf Bachs wichtigsten Lehrer und auf einen Parade-Romantiker, dessen Werk ohne Bach gar nicht vorstellbar wäre: „Studiert Bach, dort findet ihr alles!“, lautet ein Brahms-Zitat. Ein interessantes, vielfältig aufeinander bezogenes Programm lässt viel Eigenes in Ausdruck, Stilistik und Kompositionsweise zu, ebenso aber auch intensive Verflechtungen, Bezüge, Zitate untereinander. Schon die Präludien und Fugen in g-Moll jedes Einzelnen finden bei allen Unterschieden allein schon durch ihre fantasievolle Großartigkeit, die bei Brahms bis zu einer kaum mehr fassbaren, rauschhaften Komplexität reicht, einen gemeinsamen Nenner.

Choralbearbeitungen

Dazwischen steht eine Reihe reich verzierter Choralbearbeitungen, Lieblingsbeschäftigung aller drei Komponisten. In der direkten Gegenüberstellung gleicher Melodien zwischen Buxtehude und Bach blitzt natürlich der Genius Bachs auf. Am populärsten „Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ“, das in einer Busoni-Bearbeitung für Klavier zum festen Encore in den Konzertsälen wurde. Brahms’ Zyklus op. 122, seine letzte Komposition mit dem Choral „O Welt, ich muss dich lassen“, ist in seiner verschlungenen Linienführung und der chromatischen Harmonik so dicht verwoben, dass das Erkennen auch bekannter Choralmelodien schwerfällt. Oberhammer zeigt bei über einer Stunde schwierigster Orgelmusik seine Autorität in der sorgfältigen Ausführung, ebenso aber auch im Erfinden immer neuer Klänge auf der ihm seit fast 50 Jahren vertrauten Rieger-Orgel in der Höchster Pfarrkirche.

Eine lebendige Orgellehrstunde von nicht bloß musikwissenschaftlichem Wert, wie die Anzahl treuer und interessierter Besucher beweist. Für sie bleibt eine Erkenntnis, die Oberhammer letztlich wohl auch vermitteln wollte: Von den dreien bleibt Bach in seiner Klarheit, Kontrapunktik und Kompetenz doch der Größte!

Die Reihe wird im Frühjahr 2016 fortgesetzt.