Der Neue verschafft sich Gehör

20.10.2015 • 19:20 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Das Ausstellungsprogramm will Thomas D. Trummer mit KUB-Projekten von jungen Künstlern ergänzen. Foto: VN/Paulitsch
Das Ausstellungsprogramm will Thomas D. Trummer mit KUB-Projekten von jungen Künstlern ergänzen. Foto: VN/Paulitsch

KUB-Direktor Thomas D. Trummer trachtet danach, mit Heroen und Entdeckungen zu punkten.

Bregenz. (VN-cd) Zum knallbunten und dabei intellektuell anspruchsvollen Einzug von Yilmaz Dziewior vor fünfeinhalb Jahren bietet Thomas D. Trummer den denkbar größten Kontrast. Wenn der Österreicher mit seinem Programm im Jänner kommenden Jahres im Kunsthaus Bregenz startet, gibt es nämlich – im Vergleich zum „Fatigue Empire“, das Cosima von Bonin mit tierischer Lust errichtete – nichts bzw. so gut wie nichts zu sehen. Ihre Soundinstallation wird die schottische Künstlerin Susan Philipsz (geboren 1965) nur mit wenigen Artefakten ergänzen. Aber immerhin, die Ortsbezogenheit, die Trummer bei seinem Antritt vor wenigen Monaten als programmimanent ankündigte, findet Berücksichtigung: Susan Philipsz wählte nicht nur Nacht und Nebel (im Bezug auf die jahreszeitliche Stimmung am Bodensee) als Schlagworte, ihre akustische Auseinandersetzung mit dem Ort und dessen Geschichte, ihre Sensibilität im Umgang mit dem Hörbarmachen soll sich auch beim Jüdischen Friedhof in Hohenems zeigen.

Dort wird ein Projekt realisiert, das in Kooperation mit dem Jüdischen Museum unter Hanno Loewy zustande kam. Derlei Zusammenarbeit möchte er intensivieren, erklärte Thomas D. Trummer am Rande der Programmpräsentation im Gespräch mit den VN. Mit weiteren Ausstellungshäusern bzw. Kulturveranstaltern in Vorarlberg sei bereits Kontakt aufgenommen worden.

Nicht mit filigranen, sondern mit „starken, männlichen Statements“ (ja, die Begriffe wurden so genannt), werde der Amerikaner Theaster Gates (geboren 1974) ins KUB ziehen. Entwickelt werde bis dahin ein eigenständiger Werkkomplex. Gates, der unter anderem heuer auf der Biennale in Venedig vertreten ist, hat sich bislang mit Objekten positioniert, die eine gesellschaftskritische Haltung zum Ausdruck bringen.

50.000 Besucher

Im Sommer, der in Vorarlberg durch die Festspiele von der darstellenden Kunst dominiert ist, setzt man auch im Kunsthaus auf theatrale Effekte. Der aus Alexandria stammende Wael Shawky (geboren 1971) konstruiert bizarre Puppen, mit denen er historische Szenen nachspielt, durch die Repressionsmechanismen spürbar werden, die alles andere als überwunden sind. Die diesjährige Sommerausstellung mit Arbeiten der amerikanischen Künstlerin Joan Mitchell geht demnächst zu Ende. Soeben wurde das Katalogbuch fertiggestellt, das, herausgegeben von Yilmaz Dziewior, nicht nur die qualitätsvolle Reihe der KUB-Publikationen ergänzt, sondern auch als aufschlussreiches Verzeichnis des Werks der wiederentdeckten Künstlerin gelten darf. Die Anziehungskraft der noch bis 25. Oktober in Bregenz zu sehenden Arbeiten wird sich entsprechend auf die Bilanz auswirken. Werner Döring, Geschäftsführer der Kulturhäuser Betriebsgesellschaft, geht davon aus, dass man bis Ende des Jahres mit 50.000 Besuchern rechnen kann. Die Subvention für das Kunsthaus beträgt rund 2,5 Millionen Euro, mit nahezu einer Million sind die Eigenerlöse zu beziffern.

Finale mit einem Star

Sein erstes Programm beendet Thomas D. Trummer mit dem bekannten amerikanischen Konzeptkünstler Lawrence Weiner (geboren 1942), der Bregenz einen „künstlerischen Geysir“ versprochen hat, für den es noch keine nähere Beschreibung gibt.

KUB-Ausstellungen 2016

Susan Philipsz

30. Jänner bis 3. April

Geboren 1965 in Glasgow, Turner-Preisträgerin

In ihren akustischen Arbeiten verwebt die Künstlerin Räume mit menschlichen Befindlichkeiten, meist arbeitet sie dabei ortsspezfisch.

Theaster Gates

23. April bis 26. Juni

Geboren 1973 in Chicago.

Seine Praxis umfasst Skulpturen, Installationen, Performances und urbane Interventionen, die darauf abzielen, den Abstand zwischen Kunst und Leben zu verringern.

Wael Shawky

16. Juli bis 23. Oktober

Geboren 1971 in Alexandria.

In seinen Rekonstruktionen und Neuerzählungen fordert er sein Publikum zur Auseinandersetzung mit Fragen auf, in denen es um Wahrheit, Mythen und Klischees geht.

Lawrence Weiner

12. November bis 15. Jänner

Geboren 1942 in New York.

Weiner ist eine der herausragenden Figuren der amerikanischen Conceptual Art. Für das Kunsthaus ist Weiner vor allem auch wegen seines profunden Raumdenkens attraktiv.