Unser Haus ist nur eine filigrane Haut

Kultur / 22.10.2015 • 19:13 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
In der Videoarbeit „Self“ von Claudia Larcher sind die weibliche und die männliche Haut nicht mehr unterscheidbar. Foto: Larcher
In der Videoarbeit „Self“ von Claudia Larcher sind die weibliche und die männliche Haut nicht mehr unterscheidbar. Foto: Larcher

Claudia Larcher ist mit der Videoanimation „Self“ bei der Viennale und der Artissima.

Wien, Turin. (VN-cd) Räume, das Verhältnis der Menschen zum Raum, und was ein Raum über seine Bewohner aussagen kann – das waren die Themen, mit denen sich die Vorarlberger Künstlerin Claudia Larcher in den letzten Jahren international positionieren konnte. Nun wartet sie mit einer Filmarbeit auf, auf der nichts anderes zu sehen ist als die menschliche Haut. In „Self“ rückt der Betrachter allerdings so nahe an dieses Organ heran, dass nicht mehr auszumachen ist, um welchen Körperteil es sich handelt, der gerade ins Blickfeld rückt. Und schon gar nicht lässt Larcher erkennen, ob es die Haut eines Mannes oder eine Frau ist. Sie verrät allerdings, dass sie ganz bewusst mit zwei Darstellern unterschiedlichen Geschlechts arbeitete.

Täuschungsmanöver oder ästhetische Momente, die sich bei derlei Arbeiten in den Vordergrund drängen, spielen bei Larcher allerdings keine Rolle. Wenn die Künstlerin von der Haut spricht, dann ist sie wieder bei ihrem ureigenen Thema: „Nachdem ich bisher sehr viel mit Architektur gearbeitet hatte, war es naheliegend, dass ich mich nun mit der Architektur des Menschen beschäftige.“ Im Zentrum sei die Frage gestanden, was die Haut denn überhaupt ist. Eine eindeutige Antwort habe sie nicht gefunden, die Haut sei zwar „eine Barriere“ oder eine „Abgrenzung“, aber im Grunde genommen sei sie eben „durchlässig“, erläutert sie im Gespräch mit den VN jene Aspekte, die sie zu erkunden trachtete.

Zum achtminütigen Streifen hat Constantin Popp einen Sound geschaffen, der mit glucksenden und schmatzenden Lauten bzw. mit solchen, die suggerieren, dass hier jemand nach Luft schnappt, nicht für Klarheit, sondern für Vielschichtigkeit sorgt. „Welcher Horror da jeweils durch die Netzhäute und Trommelfelle des Publikums schlägt, ist eine Frage der Nerven“, lenkt die „Viennale“ das Interesse der Besucher auf den kurzen Streifen.

Räume

Die „Viennale“ ist im Übrigen nur eine Station des Weges, den „Self“ in den nächsten Wochen beschreiten wird. Im Anschluss an das Wiener Festival kommt Larchers Auseinandersetzung mit unserer Behausung nämlich zur Artissima nach Turin, die vom 6. bis 8. November stattfindet. Aufführungen in Vorarlberg sind noch nicht fixiert, grundsätzlich zählt Claudia Larcher jedoch zu jenen Künstlern, die die Galerie Lisi Hämmerle vertritt. Dort wird „Self“ voraussichtlich Anfang nächsten Jahres zu sehen sein. Dort konnte man auch in ihre früheren Arbeiten Einblick nehmen. Sie führten die Betrachter in den meisten Fällen durch Räume. Larcher: „Der Mensch war schon damals mein Thema, den es handelte sich bei den Raumaufnahmen auch um eine Beschreibung von Menschen, die man selbst gar nicht sieht.“

Ich beschäftige mich hier mit der Architektur des Menschen.

Claudia Larcher

Zur Person

Claudia Larcher

Geboren: 1979 in Bregenz

Wohnort: Wien

Ausbildung: Studium Bildhauerei und Multimedia, sowie medienübergreifende Kunst

Werdegang: als bildende Künstlerin Ausstellungen im In- und Ausland mit Videoarbeiten und Projekten

Die Premiere des Films „Self“ in Wien findet am 25. Oktober, 15.30 Uhr, im Gartenbaukino statt: www.viennale.at