Klassik von der besten Seite

Kultur / 23.10.2015 • 18:42 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die britische Schriftstellerin Virginia Woolf (1882–1941).  Foto: AP
Die britische Schriftstellerin Virginia Woolf (1882–1941). Foto: AP

Literatur von und zu Virginia Woolf, wunderbar und bibliophil dosiert.

ESSAY, BIOGRAFIE. (pen) „Und wer ist Ihr fetter Freund?“ Das ist als Beitrag zu gehobener Kommunikation nicht wirklich witzig (zumindest nicht für alle), auch nicht unbedingt tiefsinnig, aber gekonnt und pfiffig: So wie der unantastbar-perfekte Schönling Brummell mit den vornehmen Repräsentanten des höchsten Adels umspringt, so ist der Ton, in dem Virginia Woolf über den berühmten Dandy erzählt. Er ist eine Art Dorian Gray, dem es am Ende ergeht, wie es seinesgleichen eben ergeht. Und es ist ein ausgesprochen schönes Büchlein, in edles graues Leinen gebunden, mit aufgeklebtem dezent farbigem Titelschild, auf einer Bahnfahrt (im Regionalzug) zwischen Bregenz und Feldkirch bequem zu lesen. In knappen Sätzen lässt Virginia Woolf gekonnt die Funken der Londoner High Society sprühen und dann die Düsternis der französischen Provinz über den alternden Brummell hereinbrechen. Der Steidl-Verlag liefert ein weiteres bibliophil-literarisches Kleinod, ganz ohne Ablaufdatum!

Weitere Biografie

Ihm zur Seite steht eine weitere Biografie zur Autorin selbst, zu Virginia Woolf (1882–1941). Das ist in mehrerer Hinsicht eine schöne Alternative, denn das Oberflächliche allein, das Schönsein um des Schönseins willen, war für Woolf geradezu ein Antithema, an dem sie sich Buch für Buch abgearbeitet hat, unentwegt und zuletzt vergeblich um ihr inneres und äußeres Gleichgewicht ringend, den schriftstellerischen Erfolg zugleich suchend und ihm doch zutiefst skeptisch gegenüberstehend. Die Biografin, die junge, an der Universität Liverpool lehrende Literaturwissenschaftlerin Alexandra Harris, folgt der von ihr verehrten Autorin in enger persönlicher Verbundenheit: „Ich möchte in diesem schmalen Buch versuchen, die Konturen ihres Lebens und einige ihrer charakteristischen Gedankenmuster zu umreißen. Die Biografie soll der Einstieg für alle sein, die sich noch nicht mit Woolf beschäftigt haben, und eine Anregung, mehr von ihr zu lesen.“ Diesem Ziel nähert sich Harris mit immenser Kenntnis der Autorin und ihres Werks, in großer Nüchternheit, mit viel Respekt und prägender Sicherheit im Umgang mit Fakten und Fantasie.

„Ein solches Englisch schreiben, dass die Seiten einmal Funken sprühen . . .“, das wollte Virginia Woolf. Auf welchem wahrhaft schmerzensreichen, dornigen, von schwerer Krankheit gezeichneten Weg ihr das gelungen ist (bis hinein in die mustergültig ediert auf Deutsch vorliegenden Übersetzungen ihrer Romane, Essays, Tagebücher und Briefe), welchen dramatischen zeitgeschichtlichen, familiären und gesellschaftlichen Dramen dieses Werk abgerungen wurde, das verdeutlicht die Biografin in einem so knappen wie mitreißenden Werk auf jeder Seite.

Die britische Schriftstellerin Virginia Woolf (1882–1941).  Foto: AP
Die britische Schriftstellerin Virginia Woolf (1882–1941). Foto: AP
Die britische Schriftstellerin Virginia Woolf (1882–1941).  Foto: AP
Die britische Schriftstellerin Virginia Woolf (1882–1941). Foto: AP

Virginia Woolf: „Beau Brummell“. 40 Seiten; Alexander Harris: „Virgina Woolf”, 232 Seiten, Steidl Verlag