Wiederentdeckung eines Vorarlberger Künstlers

23.10.2015 • 17:11 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das Werk „Bruckneriana II“ hat Franz Rederer drei Jahre vor seinem Tod geschaffen.  Fotos: ag
Das Werk „Bruckneriana II“ hat Franz Rederer drei Jahre vor seinem Tod geschaffen. Fotos: ag

Zum 50. Todestag von Franz Rederer (1899–1965) zeigt das Rohnerhaus in Lauterach Malerei und Grafik.

Lauterach. (VN-ag) Die biografischen Parallelen zu Angelika Kauffmann, was den Bezug zu Vorarlberg anbelangt, sind nicht ganz von der Hand zu weisen. Die Frage: „Ein Vorarlberger Maler?“, die am Beginn der Ausstellung steht, ist berechtigt – denn der Name Franz Rederer (1899–1965), dem zum 50. Todestag eine Ausstellung im Museum Rohnerhaus in Lauterach gewidmet ist, dürfte hierzulande nur wenigen ein Begriff sein.

„Neuer österreichischer Maler“

Väterlicherseits aus einer armen Arbeiterfamilie aus Gisingen stammend, wurde Franz Rederer 1899 in Zürich geboren, wo er 1965 auch verstarb. Dazwischen lebte Franz Rederer, bedingt durch die politischen Umstände jener Zeit und das Unverständnis der NS-Machthaber seiner Kunst gegenüber, in Amsterdam, Südamerika und den USA, in New York und Kalifornien, bevor er in den frühen 1950ern wieder nach Europa zurückkehrte. Vom Vorarlberger Volksblatt wurde der Künstler bereits 1934 anlässlich einer Ausstellung in der Neuen Galerie als Entdeckung gefeiert. Man titulierte ihn als „neuen österreichischen Maler (…), der sich eben anschickt, den immergrünen Lorbeer des großen Künstlertums zu brechen“ und lobte ihn ob „seiner Kunst, die etwas ganz Neues in Österreich ist. Es gibt in Österreich und auch in der Schweiz keinen Maler, der mit Rederer in Vergleich zu setzen ist.“ 1994 war der Künstler, der eine vielseitige Ausbildung vom Bildhauer über den Buchdrucker zur Zürcher Kunstgewerbeschule und dem Studium der Alten Meister, bis hin zum Schauspielunterricht und dem Theologiestudium genossen hat, im damaligen Vorarlberger Landesmuseum in der Ausstellung „Musikerporträts von Franz Rederer“ im Ländle präsent. Seine aktuelle Wiederentdeckung verdankt der Maler jedoch Alwin Rohner, aus dessen Sammlung die meisten Exponate der Schau stammen, und vor allem Manfred A. Getzner vom Feldkircher Schattenburgmuseum, der vor einiger Zeit auf ein bereits in den Kriegsjahren angekauftes, bis dato noch nie ausgestelltes Selbstbildnis des Künstlers stieß und daraufhin mit seinen Nachforschungen begann.

Für Getzner eine überaus interessante Figur, die zeitlebens Beziehungen und Kontakt in die väterliche Feldkircher Heimat pflegte, was nicht nur durch Karten und Schriftverkehr dokumentiert ist, sondern u. a. auch durch drei in der Ausstellung erstmals gezeigte Porträtskizzen der Familie Allgäuer aus Gisingen. Neben Zeichnungen und Druckgrafik, die im Untergeschoß des Rohnerhauses präsentiert werden, stehen aber die Gemälde, expressiv aufgelöst, mit vitalem Duktus einer offensichtlichen Vorliebe für Blau frönend, im Fokus der Schau, die zumindest einen kleinen Einblick in mehrere Schaffensperioden und ein überaus umfassendes Werk gewährt.

Heroische Selbstporträts

Die Ausstellung verweist auf eine singuläre malerische Position, die es trotz internationaler Erfolge nie ganz nach oben geschafft hat. Dabei stellen die auch in Lauterach prominent vertretenen Porträts die eigentlich Domäne des Malers Franz Rederer dar. Neben den beinahe heroischen Selbstporträts spiegelt sich in dieser Aufgabe vielfach auch die Nähe Rederers zur Musik, die neben der Kunst seine zweite große Leidenschaft bildete. Eher „Malstück“ denn Gemälde, kulminiert diese Vorliebe des Künstlers im Werk „Bruckneriana II“, das er drei Jahre vor seinem Tod geschaffen hat und in dem Rederer seine Hingabe für die Musik und den Komponisten Anton Bruckner in ein dynamisches Farbspiel, das zwischen Abstraktion und einer Anmutung von Landschaft changiert, überträgt.

Selbstporträt des Malers Franz Rederer.
Selbstporträt des Malers Franz Rederer.
Porträts sind die eigentliche Domäne des Künstlers.
Porträts sind die eigentliche Domäne des Künstlers.

Die Ausstellung ist im Museum Rohnerhaus, Kirchstraße 14, in Lauterach, bis 9. April 2016 geöffnet, Mi bis Sa, 11 bis 17 Uhr, Fr, 11 bis 20 Uhr.