Bewährtes im neuen, atemberaubenden Gewand

Kultur / 26.10.2015 • 22:20 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Hans Graf leitete erstmals das Symphonieorchester Vorarlberg. Foto: Ju
Hans Graf leitete erstmals das Symphonieorchester Vorarlberg. Foto: Ju

Klassisches Programm unter Hans Graf wurde zu einer Sternstunde des SOV.

BREGENZ. (JU) Das Jubiläum zum 30-jährigen Bestehen des Symphonieorchesters Vorarlberg hat bereits beim Saisonstart am Wochenende mit praktisch ausgebuchten Konzerten in Feldkirch und Bregenz seine Spuren hinterlassen. Es gab zum Auftakt Klassisch-Romantisches in atemberaubenden Versionen, die dem Dirigenten Hans Graf zu danken sind. Mit seiner Kompetenz hat er gleich bei seinem Debüt am Pult des SOV Musiker und Publikum erobert, in schönstem Einvernehmen mit dem Wiener Pianisten Till Fellner. Klassik wird von den Zuhörern besonders dann goutiert, wenn so bewährte Stücke wie Beethovens drittes Klavierkonzert oder Schuberts Symphonie Nr. 6 mit so viel Augenzwinkern, Biss und Nonchalance musiziert werden. Den zuletzt vor allem in den USA tätig gewesenen renommierten Dirigenten Hans Graf (66) hat man hier als erfolgreichen Chef des Mozarteum-Orchesters Salzburg in Erinnerung.

Der sportlich wirkende Musiker geht es engagiert an. Es bedarf für ihn keines Drills, keiner großen Gesten mehr, um die Leistungen des Orchesters auf höchstem Level abzurufen. Die Frische der Gedankenerfindung, der ungenierte Umgang mit Tempi, der geschärfte Blick auf gerne übersehene kleine Wendungen sind es, die im gegenseitigen Geben und Nehmen auf die über 200 Jahre alten Werke wie eine Verjüngungskur wirken. Und man attestiert beglückt, wie aktuell und auf der Höhe der Zeit „unser“ Orchester unter solcher Anleitung mit Tradition umzugehen versteht. Eines Sinnes damit gesellt sich als Solist der Pianist Till Fellner hinzu, als ehemaliger Brendel-Schüler 20 Jahre im Geschäft und stets gern gesehener Gast bei der Schubertiade. Er hat sich auch mit seinen 43 noch das „Große-Buben-Image“ bewahrt, ein Mann, der völlig versunken und weltvergessen Beethovens Klavierkosmos ergründet, total kontrolliert und doch voller Spielfreude. Dabei auf die Antworten der Instrumente aus dem Orchester horcht und dem Steinway seine legendären Trillerketten entlockt, ohne je zum Klavierdonner greifen zu müssen. Alles lebt und atmet ohne Satzpausen, auch an jedem Orchesterpult: einfach „klassisch“ im besten Sinne. Das Publikum im Festspielhaus erhält als Zugabe einen von Schumanns „Davidsbündlertänzen“.

Unverkrampft

Auch die heitere „Sechste“ von Schubert steht der so locker selbstverständlichen, unverkrampften und feinsinnigen Spielweise des SOV unter Graf in nichts entgegen. Die fast kammermusikalische Besetzung von nur zwölf ersten Geigen mit der eloquenten Konzertmeisterin Monika Schuhmayer ist gerade recht für einen golden schimmernden, schlanken Schubert von höchster Qualität in Klang und Ausführung. Der verschwenderische Zugabenreigen beginnt mit Rossinis Ouvertüre zu „Der Barbier von Sevilla“, die zarte Zwischenaktmusik aus „Rosamunde“ beschließt den Abend.

Danach ging es ab nach Mailand, wo dieses Programm gestern auch zur EXPO aufgeführt wurde.

Hörfunkwiedergabe:
22. und 29. November, 20.04 Uhr, Radio Vorarlberg.