Kulturelle „Bodensee-Connection“ wagte sich an Verdi

26.10.2015 • 21:20 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Vocale Neuburg mit Künstlerkollegen aus dem Bodenseeraum im Festspielhaus. Foto: JU
Vocale Neuburg mit Künstlerkollegen aus dem Bodenseeraum im Festspielhaus. Foto: JU

Das Verdi-Requiem wurde ein ambitioniertes grenzüberschreitendes Projekt.

BREGENZ. Der Bodensee als gewachsener Kulturraum wird auch in der praktischen Chor­arbeit immer wieder zur gelebten Realität. So pflegt etwa Vorarlbergs Chorguru Oskar Egle mit seinem Kammerchor „Vocale Neuburg“ gute Kontakte zu seinem Pendant in der Ostschweiz, Guido Helbling, der ihn einlud, zum 50-jährigen Bestehen seines Konzertchores Schaffhausen ein gemeinsames Großprojekt mit dem Verdi-Requiem zu verwirklichen. Zusammen mit der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz ergab sich eine Art kultureller „Bodensee-Connection“, die das Werk am Samstag im Festspielhaus und tags darauf in St. Gallen präsentierte. Die Chorfreunde unseres Landes belohnten den didaktischen und logistischen Aufwand dieser imposanten Gemeinschaftsleistung mit mäßigem Besucherinteresse, ließen sich aber zu „Standing Ovations“ hinreißen. Da wurde zwar sicher intensiv an diesem 90-minütigen Prüfstein für den anspruchsvollen Chorgesang gefeilt, in aufwendiger Detailarbeit von Guido Helbling in Schaffhausen und Oskar Egle in Koblach und natürlich in gemeinsamen Proben.

Der Auftritt auf der Bühne des Festspielhauses ergibt auch ein imposantes Bild, dennoch kommt das Ergebnis über eine zwar ambitionierte, letztlich aber zu wenig ausgereifte Interpretation nicht hinaus. Denn die große Masse von 135 Sängern ergibt nicht zwangsläufig auch das erforderliche große Volumen, Kraft und Klangkultur. Da bleibt angesichts einer spürbaren Überforderung manches in einer zwar notengetreuen, aber zu flachen Wiedergabe hängen; Glanz, Tiefgang, Leidenschaft fehlen.

Glanzlichter und Schatten

Das liegt natürlich auch an dem in Vorarlberg ausgebildeten Guido Helbling, der als Gesamtleiter routiniert, aber eher blass wirkt und vor allem auf gute Textdeutlichkeit und saubere Intonation achtet. Die schönsten Momente gelingen mit den gehauchten Takten am Anfang und Ende, die großen Steigerungen aber etwa im „Dies irae“ oder im doppelchörigen „Sanctus“ bleiben verschleiert wie hinter einem unsichtbaren Vorhang. Immerhin entgeht Helbling der Gefahr, dieses Requiem als verkappte Oper zu sehen. Die Konzentration auf den geistig-religiösen Gehalt ist für ihn entscheidend – mit oftmals beeindruckender Wirkung. Das professionell aufspielende Orchester geht damit nicht immer konform und wirkt vor allem im Blech oft zu laut.

Glanzlichter kommen vom Solistenquartett. Angeführt wird es von der Amerikanerin Kimberly Brockman, die nach anfänglicher Zurückhaltung im abschließenden „Libera me“ zu großer Form aufläuft und mit ihrem Sopran das gewaltige Ensemble überstrahlt. Die Altistin Irène Friedli wird zum Wunder an stimmlicher Wärme und Kontur, dagegen ist ihr Tenorkollege Claude Pia trotz schönem Legato nicht frei von Höhenangst. Mit seiner klaren Bassstimme trumpft Rudolf Rosen auf.

Nächster Auftritt von „Vocale Neuburg“: 29. November, 17 Uhr, Pfarrkirche Koblach – „Freu dich, Erd‘ und Sternenzelt“