Bildmächtige Neuverfilmung

Kultur / 27.10.2015 • 18:17 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Michael Fassbender gibt den kriegerischen MacBeth.  Fotos: Studiocanal
Michael Fassbender gibt den kriegerischen MacBeth. Fotos: Studiocanal

Michael Fassbender und Marion Cotillard brillieren in einer auf­regenden Neuinter­pretation von MacBeth.

Drama. Angetrieben von seiner ehrgeizigen Ehefrau (Marion Cotillard) und der Prophezeiung, Herrscher von Schottland zu werden, ermordet der Heerführer Macbeth, gespielt von Michael Fassbender, König Duncan und besteigt den Thron. Von Habgier und Machthunger getrieben, beseitigt das Paar in der Folge alle, die ihnen gefährlich werden können. Doch ihrer mit Blut getränkten Schreckensherrschaft droht schon bald der tiefe Fall.

Neuer Shakespeare-Stoff

Seit mehr als 400 Jahren meuchelt Macbeth auf den Theaterbühnen dieser Welt. Und auch im Kino hat der machtgierige Herrscher, der seine Gegner stetig skrupelloser beiseite schafft und so immer neuen Hass und Feindschaft provoziert, bereits seine breite Blutspur hinterlassen.

Die Adaptionen des gleichnamigen Shakespeare-Versdramas aus dem Jahr 1606 durch die Leinwandgenies Orson Welles, Akira Kurasawa und Roman Polanski gehören dabei zu den unvergessen spektakulärsten. Die Frage ist: Braucht die Welt eine neue Verfilmung des im urwüchsigen Schottland des elften Jahrhunderts angesiedelten „Macbeth“-Stoffes? Genau der richtige Film zur richtigen Zeit, mag man ausrufen. Immerhin kann einen die bildstarke, rau-emotionale Interpretation des Australiers Justin Kurzel („Snowtown“) mit den charismatischen Stars Michael Fassbender und Oscar-Preisträgerin Marion Cotillard als mörderischem Fürstenpaar packen. Kritiker würdigten das Werk bereits als textlich reduzierten, aber äußerst eindringlichen „Shakespeare für die ,Game of Thrones‘-Generation“.

Der mit dem jungen Kameramann Adam Arkapaw gedrehte Film, der ab Freitag auch in den österreichischen Kinos läuft, arbeitet mit Großaufnahmen menschlicher Gesichter, in denen sich Gier und Größenwahn ebenso abzeichnen wie Schmerz und Angst, mit Zeitlupen entsetzlicher Schlachtengetümmel, aber auch mit eindrucksvollen Impressionen der unwirtlichen, abweisenden Heidelandschaften und Hochländer.

Ohne Special-Effect-Firlefanz

Zwei Dinge sind an diesem Film besonders hervorzuheben: der Umgang mit Shakespeares Sprache und mit jenen Zeichen, in denen das (un-)menschliche Treiben eine übersinnliche Dimension erhält. Kurzel lässt die Original-Verse sprechen, ohne dass es peinlich wirkt, im Gegenteil, das oft in Übergröße vor das Auge des Betrachters geholte Geschehen wird dadurch wieder auf Distanz gerückt, Blut in Poesie verwandelt. Dafür werden Erscheinungen wie die berühmten Hexen ohne Special-Effekt-Firlefanz ganz selbstverständlich in die Handlung integriert.

Macht- und Blutrausch

„Fassbender was born for this“, begeisterte sich der „Daily Telegraph“ zurecht: Zunächst im Zwiespalt zwischen Wollen, Dürfen, und sich Zutrauen, steigert er sich zunehmend in einen Macht- und Blutrausch, der vor niemandem Halt macht. Neben Fassbender und Cotillard ist auch der übrige Cast – etwa Paddy Considine als Banquo, Sean Harris als Macduff und Jack Reynor als Malcolm – ohne Fehl und Tadel. Wie der ganze Film.

Kurzels „Macbeth“-Verfilmung wird wohl künftig mit jenen von Orson Welles (1948), Akira Kurosawa („Das Schloss im Spinnwebwald“, 1957) und Roman Polanski (1971) in einer Reihe zu nennen sein.

Oscar-Preisträgerin Marion Cotillard.

Oscar-Preisträgerin Marion Cotillard.

Filminfos

» Regie: Justin Kurzel
» Hauptdarsteller: Marion Cotillard, Michael Fassbender, Jack Reynor, David Hayman

» läuft ab 30. Oktober im Kino