Das Glück ist nicht von Dauer, aber erreichbar

Kultur / 27.10.2015 • 22:11 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Stefan Sagmeisters „Happy Show“ im MAK: ein Fahrrad treibt unter anderem die Neon-Leuchtschrift „Seek Comfort“ an. Fotos: MAK, md
Stefan Sagmeisters „Happy Show“ im MAK: ein Fahrrad treibt unter anderem die Neon-Leuchtschrift „Seek Comfort“ an. Fotos: MAK, md

Die „Happy Show“ von Stefan Sagmeister ist äußerst erfolgreich. Macht sie glücklich?

Wien. Wohl nur über wenig andere Dinge gibt es so viele Weisheiten, so viele Ratschläge wie über das Glück und dessen Erreichen. Unzählige Institutionen, Gruppen und Personen versprechen nicht nur das Glück, sondern auch wie man Glück zu einem Dauerzustand macht. Eine Annahme, der der Designer Stefan Sagmeister (geb. 1962), wie er auch in einem VN-Interview am vergangenen Samstag verdeutlichte, widerspricht: „Glück als Dauerzustand ist unmöglich, mir erscheint es als eine Karotte, die vor unseren Gesichtern hängt und als eine Art Wegweiser fungiert.“

Vom Glück infiltriert

Worüber sich wohl die meisten Menschen einig sind, ist, dass der Zugang zum Glück eine sehr individuelle Komponente hat. Genau diesen persönlichen Zugang zum Komplex Glück ermöglicht der in New York tätige Star-designer in der nun eröffneten Ausstellung im Museum für angewandte Kunst in Wien. Sie erstreckt sich über das gesamte Haus, angefangen von der Eingangshalle, in der zwei aufgeblasene und grimmig dreinschauende
Affen mit der Aufschrift

„Everbo-

dy thinks they are always

right“ den Besucher

empfangen, über den Keller und die Galerie, bis in die Toiletten. In gewisser Weise wurde das MAK vom Glück infiltriert. Zwei Installationen zeigen Szenen aus dem „Happy Film“, der gerade fertiggestellt wurde. Der Designer begab sich auf eine Suche nach dem Glück und testete Meditation und Psychopharmaka an sich selbst.

Als zentrale Komponente erscheint die interaktive Auseinandersetzung des Besuchers mit der Ausstellung und der Thematik. Aktivitäten als Weg zu mehr Glück durchziehen die Happy Show: ein interaktives Fahrrad treibt die Neon-Leuchtschrift „Seek Comfort“ und „Actually Doing Things I Set Out to Do Increases My Overall Level of Satisfaction“ an. Im Keller wird der Besucher eingeladen, Tiere zu zeichnen, die glücklich sind. Daneben sind auf einer Leinwand die Zeichnungen zu sehen, die bei der Ausstellung in Paris entstanden sind. Sagmeister präsentiert seine Herangehensweise zum Glück. Stets begleitet wird diese aber durch Erkenntnisse der Glücksforschung. In Schwarz auf Gelb gehaltener Schrift werden dem Besucher zentrale Erkenntnisse der Forschung vermittelt. So gibt es zwar einen Zusammenhang zwischen Geld und Glück, jedoch verschwindet dieser ab einem Einkommen von 80.000 US-Dollar pro Jahr. Erkenntnissen zufolge spielen die Genetik mit 50 Prozent und die persönlichen Aktivitäten mit 40 Prozent die größte Rolle, während die Lebensumstände angeblich nur zehn Prozent dazu beitragen, ob und wie glücklich wir sind.

Positive Reaktionen

Die eingangs gestellte Frage muss sich jeder selbst beantworten. Die bisherigen Reaktionen waren aber äußerst positiv, so Sagmeister. Bisher sahen über 250.000 Besucher die „Happy Show“ in den USA und in Paris. „Ich habe viele Briefe erhalten, was darauf schließen lässt, dass sich die Besucher Gedanken zum Thema gemacht haben.“

Die Besucher haben sich eingehende Gedanken gemacht.

Stefan Sagmeister

“The Happy Show“ von Stefan Sagmeister; geöffnet bis 28. März im MAK in Wien: www.mak.at