Schön, wenn man Geschichten auf Lager hat

Kultur / 27.10.2015 • 22:11 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Martin Sommerlechner in „Amerika, Amerika – Der Ozeanpianist“ des Theaters Shakespeare nach Alessandro Baricco. Foto: Mosman
Martin Sommerlechner in „Amerika, Amerika – Der Ozeanpianist“ des Theaters Shakespeare nach Alessandro Baricco. Foto: Mosman

„Die Legende vom Ozeanpianisten“ hört sich gut an und weckt Erinnerungen.

Christa Dietrich

Bregenz. Wer die darstellende Szene in Vorarlberg schon seit Jahren bzw. Jahrzehnten beobachtet, der hat Martin Sommerlechner und Renate Bauer ohnehin noch vom von Bruno Felix geleiteten Theater für Vorarlberg in Erinnerung. Die beiden Schauspieler haben sich nach der Umstrukturierung dieses Unternehmens selbstständig gemacht. Bald trat man mit „Shakespeare, das Theater“ auf die Bühne und nahm sich Humorvolles mit Tiefgang vor. Einige Texte von Eric-Emmanuel Schmitt wurden später für die kleine Bühne adaptiert. Mittlerweile tritt man etwa im Jahresabstand mit einer Produktion auf, dazwischen gibt es Lesungen und Konzerte. Martin Sommerlechner ist zudem in anderen Bundesländern in Sachen Kultur tätig, am Wochenende stand er nun wieder im Bregenzer Magazin 4 auf dem Podium, um eine Aufführungsserie mit „Amerika, Amerika – Der Ozeanpianist“ zu starten. 

Darunter ist die Bearbeitung eines in den 1990er-Jahren erschienen Textes von Alessandro Baricco zu verstehen, der bereits als Vorlage für einen Film von Giuseppe Tornatore diente, und auf den man bei der Durchsicht der Spielpläne kleinerer deutscher Bühnen stößt. Es handelt sich um einen Monolog, um Erzähltheater also, auf das Regisseure gerne wieder zurückgreifen, die ihrem Publikum vermitteln wollen, wie gut bzw. schön es ist, wenn man Geschichten auf Lager hat.

Spannungsmomente

„Novecento – Die Legende vom Ozeanpianisten“ beschreibt das kurze Leben eines Menschen, der am 1. Jänner 1900 als Säugling auf einem Passagierschiff aufgefunden wird. Die Eltern waren wahrscheinlich arme Auswanderer. Novecento entwickelt sich zum genialen Pianisten, folgt quasi einer Berufung. Die Erzählperspektive, ein Freund schildert die Vorkommnisse auf dem mondänen Schiff, das aufgrund des internationalen Publikums wie ein Abbild der Welt erscheint, verhindert das Abdriften in die triviale Erbauungslektüre und hält so manche Spannungsmomente bereit.

Freilich, etwas Esoterik bleibt an der Story kleben. Als das Schiff dann versenkt werden soll, ist der Pianist nicht bereit, es zu verlassen, in seiner kleinen, untergehenden Welt ist er glücklicher als in jener, die nicht überschaubar ist. Was immer man als Botschaft mitnimmt, oder ob man überhaupt eine erkennen möchte, beeinflusst den Zuhörgenuss nicht. Eine gute Stunde lang geht es um den Moment. Martin Sommerlechner tritt in Zwiesprache mit dem Publikum, lebt und leidet, spielt und deutet an, macht die Figur und die Stimmung greifbar. Viel braucht er nicht, die Präsenz bringt er ohnehin mit und im Hintergrund lässt Regisseurin Renate Bauer, die auch für die Adaptierung verantwortlich zeichnet, einige Filmszenen durchlaufen. Der nostalgische Touch passt, man befindet sich im frühen 20. Jahrhundert, Vinyl liegt auf dem Plattenteller und verdammt gute Musik ist zu hören, die sich bestens rund ums Timbre von Sommerlechners Sprechstimme schmiegt.

Weitere Aufführungen am
31. Oktober, Saumarkt Feldkirch,
14. November, Pfarrsaal Lochau,
15. November, Remise Bludenz: www.shakespearedastheater.com